Ladytron – Time’s Arrow

Electronic, VÖ: Januar 2023
Obwohl das neue Album von LADYTRON kein Album ist, das von Frühlingsfreuden erfüllt ist, versucht es dennoch, in diesen schwierigen Zeiten zumindest etwas Optimismus zu verbreiten.

Mit einem Titel, der von einem Roman von Martin Amis inspiriert ist, veröffentlichen Ladytron eine weitere raffiniert gestaltete, eingängige siebte Retro-Synth-Pop-LP. „Time’s Arrow“ ist reich an Einflüssen, die von Kraftwerk und Krautrock bis hin zu Gary Numan und Stereolab reichen. Nachträglich in Mogwai’s Glasgower Studio Castle of Doom aufgenommen, ist es voller strukturierter, spaciger Synth-Landschaften und verschiedener Geschwindigkeiten, die einen farbenfrohen, aber dystopischen Sci-Fi-Stil ausdrücken. Die Keyboards türmen sich zu gläsernen Sound-Obelisken auf, während sie jeden Track mit traumartigen Hall-Pegeln ersticken und Drum-Machines mit regimentärer Kraft voranstürmen.

Auch der Gesang bleibt so unnachahmlich und markant wie eh und je, exquisit zwischen mechanischer Coolness und warmblütiger Verletzlichkeit angesiedelt. Es gibt zahlreiche Highlights: „City of Angels“ und „We Never Went Away“ stolzieren und prahlen in dieser alten, immergrünen Ladytron-Ader, während „Misery Remember Me“ mit einer Cocteau-Twins-Engelshaftigkeit schwankt und die zugrunde liegende Dream-Pop-Zugehörigkeit der Gruppe zur Geltung bringt. Helen Marnie, Mira Aroyo, Daniel Hunt und Reuben Wu sind jetzt mehr als doppelt so alt, scheinen aber mehr musikalischen Spaß zu haben denn je, Teil einer Band, deren Stern immer heller brennt. 

Die Titelnamen von „Time’s Arrow“ spiegeln den kosmopolitischen Aufnahmeprozess der Band wider, die einige ihrer Beiträge während des Lockdowns aus entgegengesetzten Ecken der Welt leistete. „Flight From Angkor“ ist mit blubbernden Keyboards und stattlichen Höhen ausgestattet, während das sonnendurchflutete „California“ mit hellen Lichtern und einer massiven, verbrannten Kulisse blendet. Manchmal kann die große Produktion überwältigend sein, aber sie führt zu faszinierenden Momenten wie denen auf „Sargasso Sea“, wo die Eleganz von Roxy Music mit einigen tiefgründigen Harmonien gepaart wird. Emotionen sind gelegentlich während des Albums cool, aber hier spricht die Band mit echter Dringlichkeit.

Manchmal droht die von ihnen geschaffene Klanglandschaft jedoch zu ersticken und lässt wenig Spielraum zwischen einem Song zum nächsten – ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte subtilere Nuancen hervorheben und für eine insgesamt überzeugendere Reise sorgen können. Im Großen und Ganzen ist „Time’s Arrow“ ein einzigartiges Angebot von Ladytron – ein transzendenter Raum, in dem man sich hineinbegeben und verlieren kann.

6.9