L.A. WITCH – L.A. WITCH

Indie Rock, VÖ: September 2017
Der Name ist teilweise falsch. Obwohl die Band L.A. WITCH aus Los Angeles stammt, beteiligen sie sich an keinerlei Hexerei. Ihre Fähigkeit, durch ihren Sound eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort zu beschwören, suggeriert jedoch eine Art fabelhafte Magie.

Die Melodien auf dem gleichnamigen Debüt von L.A. WITCH verzichten auf den Bubblegum-Pop für einen drogenartigen Dunst, der die Grenze zwischen zwielichtigem Ruhm und ominöser Ballade überbrückt; die Produktion kann sich Phil Spector’s Soundwall nicht leisten, aber die einfache Schönheit der Instrumente bietet eine sparsame Anmut, die Studiotricks überflüssig macht; Die Texte scheinen eher von Johnny Cash’s Moralgeschichten aus der Ich-Perspektive abzustammen als von den nichtssagenden, leeren Gesten vorgefertigter Popbands. Das ist keine Musik für die Massen; Es ist Musik für Schurken, Junkies, bodenlose Träumer und obsessive Historiker. Es wurde in Costa Mesa aufgenommen und in Los Angeles abgemischt, und klingt wie geschaffen, um im Schatten zu faulenzen, anstatt die Sonne zu genießen. 

Es klingt auch wenig nach einem Debüt, denn sechs der Songs auf dieser Neun-Track-LP sind seit mindestens einem Jahr, höchstens vier Jahren online – in Form eines Live-Videos, einer Bandcamp-Single und eines Demos. All dies ist jedoch L.A. Witch zu verdanken. Die Bassistin Irita Pai, die Schlagzeugerin Ellie English und die Sängerin/Gitarristin Sade Sanchez sind unermüdlich auf Tour gegangen, und im Internet ist kein Geheimnis sicher – besonders nicht so gute Songs wie diese. Nostalgisch und stilvoll, L.A. WITCH verpflichten sich, für die Nachwelt genau aufzuzeichnen, wie sich ihr Sound entwickelt und gewachsen ist. Ihr Hall ist erschütternd, die Riffs sind träge und klebrig, und English’s Schlagzeug bringt eine prägnante Punk-Klarheit.

Das eröffnende Stück „Kill My Baby“ kommt mit klassischen 60er-Jahre-Garage-Rock-Chops und gibt einen klaren Hinweis darauf, was in jedem der acht folgenden Songs passieren wird. „Brian“ beginnt als entspannte halllastige Melodie, die sich langsam zu einem psychedelischen Dauerbrenner entwickelt. Die erste Single „Untitled“ hat einen leichten Country-Swing im Rhythmus, ist aber keine Million Meilen von der Howl-Periode des Black Rebel Motorcycle Club entfernt; eine Referenz, die durch die prahlerischen Vibes von „You Love Nothing“ und „Baby in Blue Jeans“ verstärkt wird. Die beschleunigten Geschwindigkeiten von „Drive Your Car“ und „Feel Alright“ lassen sie einen Gang höher schalten, behalten aber den nächtlichen Rock’n’Roll-Geist bei.

Auf ihrem Debüt haben die drei schrägen Schwestern von L.A. WITCH ein sexy und hintergründiges Album gezaubert, das nach vorne blickt, indem es zurückblickt.

8.0