Kristin Hersh – Possible Dust Clouds

Rock, VÖ: Oktober 2018
Das neue Album von KRISTIN HERSH ist ein bewusst kakophones Album, das von klobigen Gitarrenverzerrungen, tieffrequenten Bässen und laut-leiser Dynamik dominiert wird.

Der Titel des neuen Albums von Kristin Hersh erinnert an das „luftübertragene Giftereignis“ in Don DeLillo’s Roman „White Noise“ – eine zweideutige Umweltkatastrophe, deren Auswirkungen unbekannt sind, die aber bei den Menschen, denen sie ausgesetzt ist, weit verbreitete Angst auslöst. Mit einer Länge von 36 Minuten ist „Possible Dust Clouds“ eine ihrer am sorgfältigsten bearbeiteten Veröffentlichungen seit langem. Es ist jedoch nicht zurückhaltend; Während Hersh in vielen Sounds herausragend ist, ist es immer ein Genuss, ihr dabei zuzuhören, wie sie die Verstärker aufdreht, sei es bei „Throwing Muses“, bei „50 Foot Wave“ oder auf diesem Album. Dies ist einer ihrer freizügigsten Rocksongs der 2010er Jahre, der vom explosiven, treffend benannten „Loud Mouth“ bis zu den schmuddeligen Akkorden und dem Fuzz-Bass von „Gin“ reicht.

„Loud Mouth“ erinnert an die Tage des Grunge und ist ein absoluter Hammerschlag eines Songs. „Noise crawls through cracks in the wall, drowns out your loud mouth“, bellt Hersh, während die Gitarren in eine furchterregende Kakophonie ausbrechen. Das unerbittliche Rhythmusmuster des Liedes verleiht ihm ein bedrohliches, unaufhaltsames Gefühl, und dennoch hat es etwas Erfreuliches, Hersh zu hören, wie sie ein so bedrückendes und kraftvolles Lied beherrscht. „Breathe In“ hüllt Hersh’s Gesang in Verzerrung, während die Gitarren in einem schimmernden Dunst um sie herum schwingen. Nur der faserige Puls des Basses gibt Halt. Gesanglich ergänzt Hersh das Wechselspiel zwischen Hell und Dunkel auf der Platte. 

Das satte Krächzen in ihrer Stimme entzieht sich einem definierten festen Stand und lockt die Sinne an. Auf „Tulum“ durchschneidet die Wabenstruktur ihres Gesangs das tiefe Klagelied der Rhythmusgruppe, und wie immer vermittelt ihre bemerkenswert ausdrucksstarke Phrasierung mehr, als die meisten mit der doppelten Anzahl an Worten aufbringen könnten. „Possible Dust Clouds“ findet Kristin Hersh künstlerisch neugierig und erfinderisch wie eh und je. Sie ist bestrebt, musikalisch und textlich keine einfachen Entscheidungen zu treffen, sondern bleibt bestrebt, die düsteren Komplexitäten des Geistes zu erforschen und weiterhin das Beste ihrer Karriere zu leisten. Sie ist eine Künstlerin, die sich ständig weiterentwickelt, und doch sind die Ergebnisse oft umwerfend und immer fantastisch verwirrend.

7.5