Kimbra – Vows

Indie Pop, VÖ: August 2011
Übertriebener Ehrgeiz ist ein bewundernswertes Problem, aber VOWS von KIMBRA leidet gelegentlich unter einer Genre-Überlastung.

Die neuseeländische Songwriterin Kimbra Johnson war der geschmeidige Star auf Gotye’s „Somebody That I Used to Know“. Die damit einhergehende Bekanntheit brachte dieses Solo-Debüt in die Top 20 in verschiedenen Regionen. Nicht jedoch in Großbritannien – vermutlich machte es seine Neigung zum Springen von Jazz über Latin bis hin zu Digi-Funk zu schwierig, es einzuordnen. „Vows“ ist ein musikalisch vielseitiges Album; Kimbra schafft es, aus einer vielseitigen Mischung von Sounds und Genres zu schöpfen und damit zu experimentieren – mit überraschendem Erfolg. All dies wird durch ihren beeindruckenden Gesang, gut geschriebene und einzigartige Texte, eingängige Songs und eine reibungslose Produktion unterstrichen.

Wie „Making Mirrors“ beginnt „Vows“ mit einer Killer-Lead-Single: „Settle Down“ baut sich langsam aus einem dissonanten Stimmengewirr auf, mit gut 70 Sekunden A-cappella-Akrobatik, bevor sein seltsamer, minimaler Beat einsetzt. Es dauert beinahe eine weitere Minute bis Kimbra den Refrain erreicht, wo ein plinkendes Klavier hervortritt, um das Ganze zusammenzuhalten und dem Track eine gewisse Art von mitreißender, verzögerter Eleganz zu verleihen. Es ist ein brillantes Eröffnungsstück, dass sofort die perfekte Einführung in den Rest von „Vows“ bietet und das breite Spektrum der blechernen, kraftvollen Stimme der Sängerin zeigt, während es auch die geduldige, sorgfältige Anstrengung hervorhebt, die in die Strukturierung des Albums gesteckt wurde.

Kimbra’s chamäleonartige Tendenzen sorgen dafür, dass sie mühelos vom Bubblegum-Pop-Starlet auf den verspielten Old-School-Beats und den 60er-Doo-Wop-Vocals von „Cameo Lover“ zu avantgardistischer Banshee auf dem melancholischen Musikbox-inspirierten Schluss „The Build Up“ huscht. Gelegentlich fehlt es diesem „Cover All Bases“-Ansatz an Fokus, aber größtenteils ist Kimbra’s Erfindung ein Wunderwerk, das man sich ansehen kann, wenn ihre bezaubernden und herabstürzenden Jazz-Pop-Töne über ein wahres Klangfest gleiten. Seien es die hypnotischen Double-Basslines und 30er Showmelodie-Harmonien von „Good Intent“; oder eine wunderschön Version von „Plain Gold Ring“ – einer der seltenen Fälle eines Nina-Simone-Covers, das dem Original würdig ist.

Normalerweise können Alben mit so vielen Genrewechseln anstrengend wirken, aber Kimbra navigiert mit Leichtigkeit durch all die verschiedenen Sounds. „Vows“ ist ein charmant abwechslungsreiches Album mit einer wunderbaren Auswahl an Songs.

7.2