Kelly Moran – Moves in the Field

Experimental, VÖ: April 2024
Dieses Album ist das bisher bestes Werk von KELLY MORAN und zeigt überdeutlich, warum sie in einer eigenen Liga spielt.

Seit über einem Jahrzehnt macht sich die klassische Pianistin und Komponistin Kelly Moran einen Namen. Sie hat fünf Alben veröffentlicht – einige Mini-, einige Studioalben – und mit Künstlern wie Oneohtrix Point Never, FKA twigs, Margaret Leng Tan, Kelsey Lu und Yves Tumor zusammengearbeitet. Jetzt ist Moran mit ihrem neuen Album „Moves In The Field“ zurückgekehrt und hat eine Freundin mitgebracht. Diese Freundin ist möglicherweise aber nicht das, was man erwarten würde. Sie ist zum Beispiel keine der oben genannten. Stattdessen hat sich Kelly Moran für die Arbeit mit einem Yamaha Disklavier entschieden. Dies ist eine schicke Version eines Klaviers. Kurz gesagt, ein selbstspielendes Klavier, das über MIDI programmiert werden kann. 

Für die Laienhörerin bedeutet dies, dass Moran in der Lage war, kompliziertes Spiel zu programmieren, von dem ein Mensch einiges vielleicht nicht beherrschen könnte. Darüber hinaus ist Kelly Moran in der Lage, flüssig zu spielen, um einen Fluss zu erzeugen, der der Musik ein gewisses Maß an Dynamik verleiht. Diese 10 Titel enthalten etwas, das manchmal so klingt, als würde ein Pianist den anderen umkreisen. Auf dem gesamten Album spielt sie zusätzlich zu Sequenzen, die sie für das Disklavier geschrieben hat, und nutzt dabei oft die Fähigkeit des Instruments, schnellere, kompliziertere und komplexere Klavierparts zu spielen, als menschliche Hände körperlich dazu in der Lage sind. 

Moran führt dieses Konzept geschmackvoll ein und beginnt das Album mit der frei schwebenden Schönheit von „Butterfly Phase“. Das Lied ist zart und vorsichtig, mit nachdenklichen Melodien, die auf einem Bett aus flatternden Tönen schweben, die zwischen den Registern hin und her springen und immer mit laserfokussierter Präzision landen. Die Kräfte des Disklaviers kommen auf dem treffend betitelten „Superhuman“ deutlicher zum Ausdruck, wo computerisierte Arpeggios vorbeischwirren und manchmal so schnell werden, dass sie als Störungen wahrgenommen werden. Während die Emotionen, die sie erforscht, chaotisch und tiefgründig sind, schreibt Moran völlig konsonante Musik. Es gibt nur wenige Momente der Dissonanz oder Zwietracht. 

Stattdessen findet sie Entspannung in der zarten Art und Weise, wie sie die Tasten ihres Klaviers streicht und Töne und Pausen zwischen Legato-Phrasen verlängert. Die Spannung liegt in der Art und Weise, wie sie atemlos durch ein Arpeggio rast oder eine Phrase etwas zu lange festhält, um sie in die nächste zu übertragen. Wo experimentelle Musik oft knorrige Harmonien und komplizierte Melodien bevorzugt, ist Moran’s Ansatz subtiler. „Moves in the Field“ zeigt uns, dass Technik nicht auffällig oder gewagt sein muss – ohne Einbußen bei Strenge oder Kraft, sie kann auch zart sein.

8.3