Katy Perry – One of the Boys

PopRock, VÖ: Juni 2008
Ihre Produzenten liefern den druckvollen Soft Rock, der zum Standardkennzeichen der Pop-Attitüde geworden ist, und KATY PERRY kommt mit selbstgefälliger Frechheit daher, die zu keinem Zeitpunkt auf ONE OF THE BOYS überzeugend wirkt.

Es gab eine siebenjährige Lücke zwischen „Katy Hudson“ und „One Of The Boys“, aber die lange Reifezeit ermöglichte es den besten Songs des Albums, gut zu gären. „I Kissed A Girl“ ist eindeutig das stärkste Stück (und eigentlich gegen Ende der Aufnahmesessions geschrieben), aber „Hot ‚n‘ Cold“, das im Vorjahr aufgenommen und als zweite Single des Albums ausgewählt wurde, ist fast genauso gut. Die dritte Single „Thinking Of You“ war einst für den Lead-Track des Albums in Betracht gezogen worden, wurde aber aufgrund des äußerst erfolgreichen Videos dazu erstmal auf Eis gelegt. Dass es die vierte – und letzte – Single des Albums, „Waking Up In Vegas“, erneut in die Top 10 der USA schafft, spricht Bände über das Kaliber an Chart-freundlichen Kompositionen, die „The One Of The Boys“ ausmachen. Die meisten Alben hätten bis dahin alle Hits aufgebraucht. Also zusammengefasst hat Katy Perry ein Mädchen geküsst – das wissen wir alle, aber was hat diese temperamentvolle kalifornische Sängerin – die Queen als ihren größten Einfluss nennt – sonst noch zu bieten?

Der Eröffnungs- und Titeltrack des Albums ist sehr klischeehaft und insgesamt wenig beeindruckend. Es geht um ein Mädchen, das skaten und das ABC rülpsen kann, aber nicht „one of the boys“ sein will, sondern nur die Ballkönigin. Dies ist auch einer der Songs, die Perry selbst auf dem Album geschrieben hat, und es zeigt, dass sich ihre lyrischen Fähigkeiten mit etwas mehr Feinschliff verbessern könnten. „Mannequin“ ist ein weiteres Lied, das nur von Perry geschrieben wurde, und leider ist es eine Katastrophe. Musikalisch und textlich. Das ist definitiv der Tiefpunkt des Albums, es ist kitschig und unoriginell. „Your not a man, your just a mannequin!“ Der Song beginnt mit einem großen Aufbau, der den Eindruck erweckt, als würde der Refrain explosiv sein, aber Perry’s Stimme wird schnell flach und langweilig. Ein weiterer Versuch von Perry, ihre emotionale Seite zu zeigen, folgt mit „Lost“. Es ist überhaupt kein schlechter Song und kann beispielsweise mit „Thinking Of You“ (der Song, der den meisten anderen Tracks in den Hintern tritt) mithalten, was ihn im direkten Vergleich ziemlich überflüssig erscheinen lässt.

„One of the Boys“ ist letztlich mit Hits vollgestopft, hinterlässt jedoch einen bitteren Geschmack im Mund. Nicht, weil alles schlecht ist, sondern weil die Themen, Ideen und Texte einfach so grob, so unverblümt, so kitschig, sogar grenzwertig sind und Perry diese meist wenig überzeugend vorträgt. Obwohl ihr Debütalbum „One Of The Boys“ nicht annähernd perfekt ist, zeigt es aber hier und dort sanftes Potenzial für die Zukunft.

5.0