Kali Malone – The Sacrificial Code

Experimental, VÖ: Juli 2019
KALI MALONE hat ein Album von seltenem Gewicht geschaffen. Die klagenden Melodien, die den Kern von THE SACRIFICIAL CODE ausmachen, wirken oft, als würden sie sich in die Ewigkeit erstrecken.

Der Eröffnungstrack von Kali Malone’s „The Sacrificial Code“, beginnt mit einer 58 Sekunden langen eintönigen Pfeifenorgel. Aus dem sanften, hauchenden Trillerwerk entsteht in Zeitlupe eine Moll-Melodie, die sanft und mit metronomischer Präzision kaskadiert. Das Stück umkreist die Phrase zehn zeitraubende Minuten lang, bevor es zu dem starken Dröhnen zurückkehrt, mit dem es begann. Wir können jedes strukturelle und mechanisierte Detail der Orgel hören, die in der Kungliga Musikhögskolan (Königliche Musikhochschule) in Stockholm untergebracht ist, da sie während der Aufnahme eng mit der Mikrofonanlage verbunden ist. (Es fehlt der höhlenartige, kirchenfüllende Hall, der bei Orgelaufnahmen häufig auftritt.)

Während „The Sacrificial Code“ die traditionellen Klangmerkmale solcher religiösen Stätten umgeht, rufen sein klarer Minimalismus und seine anmutigen Melodien ähnlich starke Emotionen hervor. Malone hat diesen Kompositionen eine unglaubliche Tiefe verliehen, indem sie sich in den Boden hineinarbeitet und in ihren tiefen Tönen und geerdeten Zurückhaltungen natürlich wirkt, aber sie sind auch frei genug, um nach der Luft zu greifen. Malone ist aller Wünsche nach Verschönerung beraubt und vor der Versuchung geflohen, immer wieder etwas hinzuzufügen. Sie hat ihre Musik zu einer reinen Landschaft geführt und dabei die Philosophie und Herangehensweise von Steve Reich widergespiegelt: 

„Indem wir freiwillig die Freiheit aufgeben, das zu tun, was uns gerade in den Sinn kommt, sind wir es.“ Also frei von allem, was einem gerade in den Sinn kommt. Da es keine in Stein gemeißelte Vorherbestimmung gibt, ist die Musik ungehindert und verzerrt sich innerhalb der Enge der Pfeifen, um tiefe und befriedigende Orgelklänge zu liefern. Mit seinen langsamen, gereinigten und scheinbar strengen Qualitäten führt uns „The Sacrificial Code“ durch einen fast tranceauslösenden Prozess, bei dem wir zu verletzlichen Rezeptoren für jede kleinste Bewegung werden und bei dem jede kleine Klangverschiebung durch Stille verstärkt wird.

Es hat eine wahrnehmungsverändernde Qualität, die zur Selbsterforschung anregt, frei von Wegweisern und ohne einen vorher festgelegten Endpunkt – das Gegenteil zur Sprache der farblosen musikalischen Plattitüden, an die wir uns so gewöhnt haben.

8.0