Kaitlyn Aurelia Smith – Let’s Turn It Into Sound

Electronic, August 2022
LET’S TURN IT INTO SOUND klingt von den ersten paar Sekunden an wie ein mutiges neues Kapitel in der Diskographie von KAITLYN AURELIA SMITH.

Kaitlyn Aurelia Smith hat sich vorgenommen, eine physische Antwort auf unsere modernen Zwickmühlen zu finden. Einst wollte sie Trost schaffen, einen meditativen Zustand. Vielleicht hat die Permakrise dazu geführt, dass ihr Ansatz in einer Weise verformt wurde, die von den Figuren nachgeahmt wurde, die die Visuals ihres neuen Albums „Let’s Turn It Into Sound“ bevölkern. Eine verdrehte, kaleidoskopische Abfolge von mutierten Zirkusmelodien und hämmernden Kickdrums leitet Smith’s Gesang ein, der oft extreme Sprünge zwischen den Noten macht. Fluten von perkussiven Hits, blubbernden Synthesizern und Holzbläsern erscheinen und verschwinden ohne Vorwarnung, und stachelige Beats gehen schlafwandelnd in die schwachen Saxophone über, die den nächsten Track einleiten. „Let’s Turn It Into Sound“ ist in einem Moment heiß und feurig; kalt und distanziert im nächsten. Referenzpunkte tauchen auf und werden weggeschlagen. Jazzige Anfänge verschmelzen mit New-Age-Seufzern und oszillierendem Funkeln. Sie sitzt nie lange still und geht eifrig zur nächsten Iteration über.

Das eröffnende Stück „Have You Felt Lately?“ ist vielleicht ihre bisher klanglich verstreuteste Komposition, da sie einen kurzen Ausbruch von Synthesizer-Noten loslässt, die dem Rest der LP einen unaufgeregten Ton verleihen. Auf „Locate“ bearbeitet Smith ihre Gesänge aufs Äußerste, um ihre Tonhöhe, ihr Timbre, ihren Ton und ihr Feeling zu verändern, und erlaubt ihrer Stimme, den Song in eine pulsierende Atmosphäre zu tragen. Tracks wie das gehauchte, dehnbare „Is It Me or Is It You?“ und das ausgelassene „There Is Something“ stellen fest, dass Smith ihre Intonation in den Vordergrund rückt, während sie ihre eigentlichen Worte verbirgt, wodurch die undurchsichtigen Texte zu einem weiteren Teil ihrer aufgewühlten Klanglandschaft werden. Nach den Höhen und Tiefen des sechsminütigen „Is It Me or Is It You?“ legt sich die zweite Hälfte des Albums in einen Downbeat-Groove. 

Smith lässt ihre kompositorischen und produktionstechnischen Muskeln während des gesamten Albums spielen, wenn auch nur aus Zweckmäßigkeit und selten zum Angeberei. Der chorische Schub von „Unbraid: The Merge“ erreicht euphorische Clubmusik, während die Schlagzeugprogrammierung auf „There Is Something“ Aphex Twin beeindrucken würde. „Then the Wind Came“ ist der Höhepunkt der Sammlung, mit seiner arpeggierten Sequenzierung und dem Übergang zu entspanntem IDM, der stilvoll gelungen ist. Wenn die Beats ankommen, sind sie schnell und treibend, aber wie der Rest der Sounds und Texturen sind sie formbar und gehen nicht in eine Richtung. Der kurze Abschluss „Give to the Water“ ist ein spaciger Comedown aus wogenden Synthesizern und ausgedehnten Gesangsphrasen. „Let’s Turn It into Sound“ ist eine komplexe, kantige Konstruktion, aber kein anspruchsvolles, undurchdringliches Werk, da Smith uns einlädt, sich ihrer temperamentvollen und grenzenlosen Reise anzuschließen.

8.3