Kacey Musgraves – Star-Crossed

Country/Folk, September 2021
Legenden von „the brokenhearted country singer“ zeichnen KACEY MUSGRAVES Reise nach. So sehr sich Popmusik mit den Folgen gescheiterter Beziehungen befasst, nichts fühlt sich besser für ein gebrochenes Herz an, wie eine alte Country-Platte.

Eine Scheidung beflügelt Alben von epischen Ausmaßen in der Welt des Country. Nachdem sie „Stand By Your Man“ gesungen hatte, buchstabierte Tammy Wynette dies in ihrem 1968er Album „D-I-V-O-R-C-E“. Der texanische Willie Nelson hat in seinem Album „Phases and Stages“ beide Seiten einer Scheidung durchquert. Unter all den Coverversionen von „You’ve Lost That Loving Feeling“ von The Righteous Brothers sticht es wirklich wie ein Dolch durch, wenn es von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood gesungen wird. Zeitgenössische Künstlerinnen wie Miranda Lambert haben diesen Geist am Leben erhalten, ein Vermächtnis, das Kacey Musgraves nun auf Ihre Art und Weise weiterführen möchte.

Der Titeltrack „star-crossed“ greift auf diese Bilderbuch-Endungen zurück, wo sie die Szene einer zerbröckelnden Ehe, die zum Scheitern verurteilt war, à la das berühmteste Liebespaar Romeo und Julia inszeniert. Während sie in der Single „justified“ singt, „Healing doesn’t happen in a straight line,“ hören wir über das gesamte Album ihre Wut, Trauer, Bedauern und letztendlich Freude. So wie die Gefühle von Trauer und Glückseligkeit schwanken, so schwankt auch die Musik: Sie bringt die reduzierten Synth-Sounds von „Golden Hour“ ein, unterstrichen von einfachen klimpernden Gitarrenlinien. Dies alles sorgt für eine nachdenklichere Atmosphäre, während Musgraves über all die sollten-könnten-hätten ihrer gescheiterten Beziehung meditiert.

Mehrere Songs durchlaufen die vielen Stadien der Trauer nach der Trennung. Da ist „Breadwinner“ oder „Camera Roll“, in dem Musgraves Jackson Browne kanalisiert und einige Fotos durchsieht, die sie in ihrem Telefon gefunden hat. Am herzzerreißendsten ist die entfremdende Trennung, die so viel von „star-crossed“ ausmacht: Musgraves hüllt ihre Distanz in Nintendo-Nostalgie und Super Mario-Kitsch in „Simple Times“, das das Erwachsensein mit einer Videospielsimulation vergleicht. Genau wie die aufgeklebten Tränen und das Taschentuch, das zur Markteinführung des Albums verkauft werden, bleibt es dennoch schwer, das Gefühl bei „star-crossed“ abzuschütteln, dass Musgraves eine herzzerreißende Scheidungsplatte macht, weil die wachsende Kommerzialisierung Ihrer Person es so vorgibt. 

Zum Glück verleihen die besten Momente den abgenutzten Klischees des Standard-Säuberungs-Festes nach der Trennung ihre eigene persönliche Note und Musgraves zeigt uns damit auch, wenn Sie ein Popstar werden soll, tut sie es sicherlich nur zu ihren eigenen Bedingungen.

6.9