Julie Byrne – Rooms With Walls and Windows

Folk, VÖ: Januar 2014
Mit ROOMS WITH WALLS AND WINDOWS von JULIE BYRNE gelingt es in gewisser Weise, Nostalgie als etwas Greifbares einzufangen.

Die Singer/Songwriterin Julie Byrne präsentiert uns ihr Debütalbum „Rooms With Walls And Windows“, ein Album, das das Talent unterstreicht, das erstmals auf ihrem 7“ Vinyl-Album „Faster Or Greener Than Now“ gezeigt wurde. Byrne hat eine bemerkenswerte Stimme, die völlig einzigartig ist. Ihre Lieder haben einen pastoralen Charme, schwingen aber auch etwas mit, das man als experimentell bezeichnen könnte. Es ist dieselbe Linie, die den Katalog von Nick Drake definiert hat. Byrne ist nicht Drake, aber beide schaffen es, organische, erdige Töne zu kreieren, die dennoch eine moderne Storytelling-Atmosphäre verkörpern. Byrne lebt derzeit in Seattle, ist aber wie ein Stein quer durch das Land gesprungen – zuerst Buffalo, dann Chicago. 

In „Marmalade“ beschreibt sie, wonach sie sucht: „All I want is a brick house with a porch that wraps around/ All I want is land enough for my child to roam.“ Die Sprache in ihren Texten ist, wenn man sie erst einmal wahrnimmt, auffallend gesprächig, aber nicht wie irgendeine Art von Konversation. Sie wechselt zwischen lebhaft düsteren Bildern – „I lean back like a woman baptized in the River of Styx“ in „Wisdom Teeth Song“ – und atemlos naiv: „The Museum of Natural History in its snow, blood, and fur and ivory/ It left me wanting to know so much more about this world“ (aus demselben Lied). Ihre Darstellung macht nicht klar, ob diese Gefühle zu ihr gehören oder ob es sich dabei um Teile des Lebens handelt, die sie durch das Zuhören anderer aufgeschnappt hat.

Ähnlich wie die schlichte Einfachheit des Titels lässt sich „Rooms With Walls and Windows“ nicht nur von den rudimentären Gebrauchsgegenständen inspirieren, die unser tägliches Leben umgeben, sondern stellt sie fast als zentrale Figur dar. Sie werden zum Protagonisten und zu den Hauptstützen des gesamten Albums, doch Byrne liefert ihre gesamte Arbeit mit einer so umwerfend menschlichen Einstellung ab, dass die Langweiligkeit dieser Herzstücke in den Songs selbst nie zum Ausdruck kommt. Vielmehr ist das, was viele der Tracks präsentieren, ein Dokument eines Lebens, das einfach vorbeizieht, gesehen durch die Augen von jemandem, die niemanden hat, dem sie die Geschichte erzählen kann. Sie sind der abgekapselte Klang der völligen Kürze des Lebens und der zunehmenden Traurigkeit, die es gelegentlich mit sich bringt.

Byrne ist nicht nur eine faszinierende Songwriterin, sie lässt die Songs auch nie in Wiederholungen abgleiten. Die Bausteine von Gesang und Akustikgitarre mögen konsistent sein, aber jede Melodie ist anders. Byrne’s erschafft auf diesem Album winzige Welten, und jede Welt ist ein Individuum. Auch die beiden Instrumentalstücke „Piano Music“ und „Piano Music For Lucy“ sind unnachahmlich. Byrne hat vielleicht ihre Wurzeln im Stil einer anderen Ära, aber was sie auf „Rooms With Walls and Windows“ tut, ist, diesen Stil in etwas zutiefst Eigenes zu verwandeln.

7.6