Julia Holter – Loud City Song

ExperimentalIndie Pop, Juli 2013

2011 erschien ihr Debüt ‚ Tragedy ‚ und ein Jahr später folgte das brillante ‚ Ekstasis ‚. Fast schon selbstverständlich, dass uns Julia Holter auch in diesem Jahr mit einer neuen Platte beglückt. ‚ World ‚ als eröffnendes Stück mit spärlich gehauchten Gesängen, einem Klavier und den Zeilen: „I don’t how why I wear a hat so much“. Ein anonymes Gesicht schaut dabei neugierig in die Stadt hinunter, es ist eine aufmerksame Außenseiterin. „The city can’t see my eyes under the brim.“ Man spürt während diesen Minuten förmlich Ihren heißen Atem auf der Haut. Wie schon auf ihrem Debütalbum kam der Kern der Inspiration diesmal aus der klassischen Literatur. Sidonie-Gabrielle Colettes Roman „Gigi“ handelt von der junge Protagonistin Gigi, die im vertratschten Paris der Jahrhundertwende ohne es zu Wollen in eine Karriere als Mätresse schlittert. Holter verwebt Gigi’s Geschichte mit dem Leben im heutige Los Angeles und zeigt seine schönen, verrückten und merkwürdigen Seiten aus verschiedenen Blickwinkeln. ‚ Maxim I ‚ und ‚ Maxim II ‚ verblüffen mit der maximalistischen Zusammensetzung aus Hörnern und Percussions, die im letzten Teil auf einem Saxophon durch die windigen Böen des Free Jazz getragen werden. So unberechenbar manchmal die Kompositionen verlaufen, so vage und undurchsichtig ist manchmal auch der Blick auf eine große Stadt. Holter überzeugt womöglich nicht so wie noch auf Ihren letzten beiden Platten, aber das Thema wurde von Ihr gefühlvoll angenommen und durch die verschiedenen Zusammensetzungen, Erkundungen und Vorlieben entsteht daraus letztlich eine weiterführende Darstellung Ihrer unabsprechlichen Talente. In ‚ Horns Surrounding Me ‚ müssen wir dagegen plötzlich die Beine in rasche Bewegung versetzten, denn dieses Stück hat es eilig, es brummt die bedrohliche Klaustrophobie von den Dächern der Wolkenkratzer durch die leeren und anonymen Straßen und beschwört dunkle Schwaden aus Gefahr und Paranoia. Was folgt ist nicht etwa die Auflösung ob sie letztlich gejagt wurde, oder ob es nur Hirngespinste waren, sondern ein spielerisches Pop-Kabarett. Ihr musikalischer Wagemut und ihr Feingefühl, jedem noch so experimentellen Track die entscheidende Prise Pop einzuhauchen, dazu die sanften Orchestrierungen und die ständige Bewegung, machen sich schlussendlich auch bei ‚ Loud City Song ‚ bezahlt und benötigen einmal mehr Zeit um verstanden zu werden. Erst danach wird man als Hörer die aufopferungsvolle Investition von Julia Holter zu würdigen wissen.

7.3