Julia Holter – Ekstasis

ExperimentalIndie Pop, VÖ: Oktober 2012
JULIA HOLTER verbindet auf ihrem neuen Album EKSTASIS eine hauchdünne Sensibilität für Schlafzimmer-Pop mit formaler Strenge.

„I hear a lot of music that’s just lazy– you know, people in their bedrooms singing some shit into the microphone.“ Das ist die kalifornische Sängerin und Songwriterin Julia Holter, die kürzlich mit Pitchfork gesprochen hat. Und dieser Auszug bringt es auf den Punkt, was ihr zweites Album so besonders macht. Wie viele selbst aufgenommene Musikstücke im Indie-Bereich der letzten Jahre setzt „Ekstasis“ stark auf Atmosphäre. Es gibt jede Menge Hall und die Gesangsspuren sind zu einem atmosphärischen Dröhnen zusammengeflochten; Es ist die Art von wirbelnder Produktion, die sich gut dazu eignet, Fehler zu verbergen. Aber nichts, was Holter tut, fühlt sich zufällig an. Dieses Album ist vor allem sorgfältig und seine bewusste Konstruktion erlaubt es, auf einer anderen Ebene zu wirken als die meisten Musikstücke, die als „ätherisch“ gelten. 

Ob spontan oder nicht, das Album ist dicht und erreicht seine Ziele, vor allem dank Holter’s beeindruckenden stimmlichen Fähigkeiten und ihrer Fähigkeit, selbst die minimalste Hintergrundmusik zu maximieren. Ihre Stimme reicht vom verträumten Gothic-Stil, der an Faith & Disease erinnert, über Flüstern bis hin zu einem affektierten, an Laurie Anderson erinnernden Stil. Diese Vielfalt ist von Anfang an klar – der Eröffnungstrack „Marienbad“ (wahrscheinlich basierend auf dem Film „Last Year At Marienbad“) ist eine üppige Mischung aus Fender Rhodes, Atemgeräuschen und Holter’s Stimme, geschichtet in allen möglichen beeindruckenden Tonlagen. Auch der Text ist faszinierend, als sie intoniert: „So bored in mammalian skin!… Over stone so still, like birds so stoically by the drain/Gardens carved of stone/The human whispers, so cold/A fountain ices over/A story over“.

Das Herzstück des Albums, „Für Felix“, mag im Namen eine charmante Anspielung auf Beethoven sein, aber seine Wurzeln reichen bis zum verstorbenen New Yorker Komponisten Arthur Russell, dessen neu aufgelegte und kürzlich ausgegrabene Werke eine endlose Quelle der Entdeckungen sind. Es ist nicht nur das gezupfte Cello, das sich so russellisch anfühlt; Es geht auch darum, wie mühelos Holter den Körper, die Saiten und den Rhythmus dieses Instruments beherrscht. Das ist es, was Russell schließlich so besonders machte, und es kommt selten vor, dass sich jemand diese Lektion wirklich zu Herzen nimmt. Das Cembalo kommt auch bei „In the Same Room“ zum Einsatz, dem wahrscheinlich geradlinigsten und Remix-würdigsten Elektropop-Track auf „Ekstasis“.

Den Abschluss bildet das neunminütige „This Is Ekstasis“. „This is not the quietness, this is the ekstasis/This is not ekstasis, this is the quietness“, heißt es eher ambivalent. Dennoch kann Holter es nach Belieben bestätigen oder dementieren – „Ekstasis“ ist ekstatisch gut.

9.0