Joy Oladokun – Carry

FolkPop, VÖ: April 2016
JOY OLADOKUN ist gleichermaßen als Folk-Troubadour und als Soul-Sirene gerüstet und hat das Talent, eines Tages ein großer Star zu werden, egal welchen Weg sie einschlägt.

Im Jahr 2015 hat Joy Oladokun mehr erreicht, als sich viele Musikerinnen in einem ganzen Jahrzehnt erhoffen konnten. Sie produzierte und veröffentlichte selbst die Debüt-EP „Cathedrals“ und sammelte in einer Kickstarter-Kampagne erfolgreich 30.000 US-Dollar, um ihr erstes Album zu finanzieren. Dies ist eine ziemlich erstaunliche Leistung in einer Zeit, in der Musik kostenlos erhältlich ist und nur die größten Namen der Musikbranche Erfolge in den Charts haben. Sogar einige der Popstars, die das Radio dominieren, haben bemerkt, dass das Geld einfach nicht mehr aus den Alben kommt, sondern mehr aus den Touren und Shows. 

Oladokun’s Fähigkeit, so viel Geld für die Verfolgung ihrer musikalischen Ziele zu generieren, spricht nicht für die Musikszene; Die Leute sind immer noch nicht bereit, für Musik zu bezahlen, wie sie es in den vergangenen Jahren getan haben. Dies spricht vielmehr für Joy’s Talent, von ihren auffallend schönen Texten bis hin zu ihren gekonnt produzierten Instrumentalstücken, und für die schiere Positivität, die von ihr als Ganzes auszustrahlen scheint. Das Debütalbum der in Los Angeles ansässigen Singer/Songwriterin hat viel zu bieten. Der Titelsong und „Young“ beinhalten jede Menge Soul und „Break + Wine“ grenzt an Alternative Rock.

„Fight For It“ beginnt zielstrebig und steigert sich zu einem verschwommenen Blues-Finale, während der Abschluss des Albums „Animals & Angels“ ein fragiles Folk-Stück ist, das als Fenster dafür dient, wer Joy sowohl als Künstlerin als auch als Person ist. Es sind Songs wie dieser, die ihr konfessionelles Songwriting wirklich verbinden. Ihre offenen und ehrlichen Texte hätten direkt aus einem Tagebuch stammen können, das sowohl ihre tiefsten Hoffnungen als auch ihre inneren Dämonen enthält. Bei Tracks wie „Animals & Angels“ und „Poison“ fällt es schwer, sie nicht im gleichen Licht wie Adele zu sehen.

In jedem ihrer Tracks steckt eindeutig ein Gefühl der Leidenschaft, und es wird uns immer wieder in Erstaunen versetzen. Es gibt kein Autotune, keinen Glanz oder Glamour, es ist einfach einfache und schöne Musik.

7.8