Jorja Smith – Lost & Found

R&B, VÖ: Juni 2018
Auch wenn die Songs auf LOST & FOUND vielleicht nicht perfekt sind, ist es dennoch ein erstaunliches und ansprechendes Debüt von JORIA SMITH, einer Künstlerin, von der wir bestimmt noch lange hören werden.

Jorja Smith’s Stimme ist ein seltenes Geschenk; kraftvoll, verführerisch und fesselnd. Es ist jedoch nicht nur ihre Stimme, die sie außergewöhnlich macht, es ist Smith’s Vielseitigkeit, die sie wirklich auszeichnet. „Lost & Found“ wechselt zwischen Stilen und Tempi und hält nie inne, um Luft zu holen. „I need to grow and find myself before I let somebody love me/Because at the moment I don’t know me“, gibt sie in „Teenage Fantasy“ zu. In „February 3rd“, denkt sie, „I’m constantly finding myself.“ Aber sie scheint sich über das Endergebnis dieser Suche keine Sorgen zu machen. Smith lässt die Unruhe des jungen Erwachsenenalters elegant klingen.

Dieses Selbstbewusstsein macht sie zu etwas Besonderem und lässt ihre Musik zeitlos klingen. „I know what I’m doing“, sagte sie letztes Jahr zu Pitchfork, und ihre Musik spiegelt diese Unabhängigkeit wider. Ihre letzten beiden Singles, „On My Mind“ – ein schneller Pop-Hit, der ihr bisher aufregendstes Werk ist – und die gewichtige Stormzy-Kollaboration „Let Me Down“, wurden beide auf diesem Album weggelassen. Stattdessen verlässt es sich oft zu sehr auf die jazzige R&B-Formel, die sie mit „Lost & Found“ beherrscht. Das ist schade, denn die Platte ist weitaus unterhaltsamer, wenn sie von der Vorlage abweicht. 

Nehmen wir „Lifeboats (Freestyle)“, in dem Smith das Tempo für einen energiegeladenen, politisch aufgeladenen Freestyle erhöht, der sich auf die Flüchtlingskrise in Europa bezieht: „If there’s a reason we can keep afloat/Why do we watch them drown?“ Die Persönlichkeit, die sie hier an den Tag legt, übertrifft bei weitem die vagen Parolen in Songs wie „Goodbyes“: („Goodbyes, good times/L O V E is all for you“). „Lost & Found“ ist ein temporeiches Album voller sanfter Gesänge, eingängiger Pop-Hooks und einer spielerischen Auseinandersetzung mit den Schmerzen der Jugend, der Liebe und der Unsicherheit. 

Smith’s Stimme bewegt sich zwischen fesselnd heiser und übermäßig nasal, mit viel Raum zur Entfaltung, aber die spärliche und wenig inspirierende Produktion bewahrt die Songs nicht davor, manchmal vergessen zu werden. Was die Poesie des Ausprobierens, Scheiterns und Wiederaufstehens angeht, hat das durchaus seine Berechtigung, aber wenn es darum geht, den Anspruch als größtes neues R&B-Talent der Popmusik zu erheben, reicht es (noch) nicht ganz aus.

7.8