Jordana – Face The Wall

Indie Pop, Mai 2022
FACE THE WALL ist ein brillant konstruiertes Album, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. JORDANA bewegt sich auf der Grenze zwischen der Pop- und der Indie-Welt und ihre Melodien und kompositorischen Entscheidungen machen es für uns mehr als schmackhaft, ja sogar aufregend.

Das Album ist das Produkt jahrelanger Selbstbeobachtung und der Suche nach sich selbst und dem, was man sein möchte. Jordana erkennt das an der ausdrucksstarken und emotional nachhallenden Qualität ihrer Songs, von denen hier alle einheitlich exzellent sind. Produziert von Cameron Hale (Khalid, Claud) und gemischt von Miro Mackie (Wallows, St. Vincent), ist „Face the Wall“ eine robustere Produktion als Jordana’s vorheriges Album, „Something to Say to You“ aus dem Jahr 2020, mit einem Sound, der sich gezielter anfühlt und durch seinen professionellen Pop-Glanz besticht. Das ist gut so, und Stücke wie „Pressure Point“ und „I Mean That“ sind schillernde, gitarrenbasierte Songs, gespickt mit dezenten elektronischen Schnörkeln, die immer noch die Künstler der 90er zeigen, für die Jordana eindeutig eine tiefe Zuneigung hegt.

Auf „Face the Wall“ bewahren ihre Texte eine Schlafzimmer-Band-Abstraktion: „Catch My Drift“ und „Difficult for Now“ haben anstelle von Erzählungen weitreichende Widmungen in der zweiten Person, die die warmen Melodien beschweren. Die fesselndsten Momente des Albums sind jene, in denen Jordana die Ambivalenz abschüttelt und aus den Kulissen auftaucht. Das herausragende „Go Slow“ ruft eine vertraute Melancholie hervor, ist aber bisher ihre offenste Selbstreflexion: “Focus has never been a friend of mine, half the time I’m not sure if I’m flying/I’ll try, for certainty that I might find/Nothing works unless I take the time.” Die vielleicht größte Erkenntnis von „Face The Wall“ ist, dass Jordana einen Weg gefunden hat, ihre Einflüsse und musikalischen Obsessionen auf eine Weise zu mischen, die sich weigert, eine Wiederaufwärmung des Indie-Sounds zu sein, mit dem sie aufgewachsen ist. 

Sie hätte leicht ein Album machen können, das den knusprigen Post-Punk von The Strokes und Arctic Monkeys widerspiegelt, oder sich in die Afro-Beats und seltsamen poetischen Gedanken von Vampire Weekend vertiefen können. Stattdessen haben sich diese Einflüsse bereits in ihrer Identität als Künstlerin manifestiert, und „Face The Wall“ ist der Sound einer Songwriterin, die sich fragt: “Okay, now what?” Selbstbewusst und frisch singt sie über die Schwierigkeiten des Lebens in den Zwanzigern. “What if I told you were capable of being loved, baby? / Would you believe me, or would you tell me that I’m full of shit?” Die brillanten kompositorischen Entscheidungen machen dieses Album von Anfang bis Ende zu einem wahren Genuss und zeigen die herausragende Umsetzung eines erstklassigen Talents.

9.1