Joanna Sternberg – Then I Try Some More

Folk, VÖ: Juli 2019
Nur weil die Texte klar formuliert sind, bedeutet das nicht, dass sie leicht zu verstehen sind. Mit Themen wie Selbstmordgedanken, völliger Hoffnungslosigkeit und Selbsthass kann das Debüt von JOANNA STERNBERG ein herausforderndes Hörerlebnis sein.

Joanna Sternberg ist eine in New York ansässige Cartoonistin und Musikerin. Auf ihrer Website finden wir einen Comic mit dem Titel „somethings never change“. Sternberg stellt sich im ersten Bild als einsames Kind dar, in den folgenden drei als ebenso einsame Erwachsene. Unter dem Streifen schreibt sie: „this comic is not me looking for compliments or words of comfort and wisdom…it is more to remind people that they are not alone.“ Wenn Sternberg’s Debütalbum denselben Zusatz hätte enthalten können, dann vielleicht.

Sternberg kommt mit einem starken kompositorischen Hintergrund zur Musik – sie hat sich an der New School for Jazz & Contemporary Music auf Jazz, Blues und Ragtime spezialisiert, und die bahnbrechende jiddische Sängerin Fraydele Oysher ist ihre Großmutter. Sie hat ein intuitives Gespür für Rhythmus und Metrum; Obwohl wir auf diesem Album keine Poesie finden werden, wird Sternberg’s Prägnanz durch ein konsistentes metrisches Muster unterstrichen, das jedem ihrer Worte eine Schlagkraft verleiht.

Mit einer rauen, oft hohlen Qualität aufgenommen, trägt die reduzierte Art der Aufnahmen zum Gefühl ungefilterter, unberührter Texte bei – die Platte vermittelt das Gefühl einer direkten Konversation mit Sternberg. Es ist intim und intensiv, aber nicht aufdringlich und das bezaubernde „For You“ erinnert an die schönsten Momente von The Moldy Peaches. Bevor die wunderschöne, klavierzentrierte Zartheit von „You Have Something Special“ vorbeischwebt – wiederum gespickt mit den schmerzhaften Reflexionen von Sternbergs Vergangenheit.

„Then I Try Some More“ ist ein bemerkenswertes Debüt von Joanna Sternberg. Ihre Bereitschaft, die erschütterndsten Erlebnisse zu diskutieren, verleiht dem Album eine raue, kathartische Qualität, die uns durchdringt. Manchmal ist es ein unangenehmes Zuhören, doch diese rohe Zerbrechlichkeit ist es, die wirklich verbindet. Anstatt sich vom Trauma definieren zu lassen, hat Joanna Sternberg es in ein mutiges Album gelenkt, das den Gefühlen, die wir alle erleben, vertraut ist.

7.0