Jessie J – Who You Are

Pop, VÖ: Februar 2011
Wenn weibliche Popproduktionen hyperbearbeitet, hochspannend und hysterisch gestimmt klingen müssen, dann gibt es weitaus weniger unterhaltsame Anwärterinnen auf den Ruhm als das Debüt WHO YOU ARE von JESSIE J.

Jessie J, auch bekannt als Jessica Cornish, hatte bereits eine erfolgreiche Karriere als Songwriterin, bevor sie selbst ein Popstar wurde. Vor allem war sie Co-Autorin des Hits „Party in the U.S.A.“ von Miley Cyrus mit Dr. Luke und Claude Kelly. Offenbar stimmt die Chemie zwischen ihr und den beiden, denn die erträglichsten Songs bei „Who You Are“ sind Kollaborationen mit ihnen. Allerdings nur ein schwaches Lob: „Price Tag“ klingt wie Nelly Furtado als Frontfrau von Sugar Ray, und „Abracadabra“ könnte als einigermaßen anständiger Deep Cut von Natasha Bedingfield durchgehen. Cornish hat den Rest der Tracks gemeinsam mit verschiedenen Autoren geschrieben, und die Ergebnisse sind kompetent, aber allgemein gehalten.

Dieses Album strotzt nur so vor ansteckenden, amerikanisierten Songs, die mit einem Selbstvertrauen vorgetragen werden, das man mit Geld nicht kaufen kann. Es handelt sich jedoch im Wesentlichen um eine Platte aus zwei Hälften, und die prahlerischen Uptempo-Tracks – das allgegenwärtige „Do it Like a Dude“ und „Price Tag“ sowie das Big-Band-artige „Mamma Knows Best“ und ein knackiges Stück Minimalismus namens „LOVE“ – sind absolut überzeugend und den Balladen überlegen. Jessie lebte einst in Los Angeles, und in den Balladen zeigt sich: „Who You Are“ ist ein Trauergesang zur Selbstermächtigung, dessen Thema an Lady Gaga’s „Born This Way“ erinnert.

Cornish ist Absolventin der renommierten Londoner BRIT School, der Kunstakademie, die die Karrieren mehrerer namhafter junger britischer Sängerinnen ins Leben gerufen hat, darunter Amy Winehouse, Adele, Katy B, Jamie Woon und Kate Nash. Sie teilt deren Eleganz und Haltung, aber nichts vom individuellen Stil ihrer Kolleginnen. Während Adele und Winehouse ebenfalls kraftvolle Stimmen haben, passen sie in klare ästhetische Nischen und verleihen ihren Songs Tiefe und Menschlichkeit. Jessie J hat nicht einmal einen Bruchteil ihrer Zurückhaltung; Ihre Idee, ihr Talent zu demonstrieren, besteht darin, bei „Mamma Knows Best“ ein dröhnendes Melisma zu erzielen, das Christina Aguilera im Vergleich dazu genauso subtil erscheinen lässt wie Joni Mitchell.

5.7