Jessica Simpson – Irresistible

Classic AlbumsPopR&B, Mai 2001
JESSICA SIMPSON zweites Album hätte Relentless heißen sollen. Jedes Klischee im Pop-Handbuch des Jahres 2001 wird ausgenutzt – blumige Balladen, die scheinbar für Film-Soundtracks geschrieben wurden und dazu ein blasses Duett mit Marc Anthony.

Es ist ein Trauerspiel. Für den größten Teil ihres zweiten Albums entscheidet sich Simpson für üblen Pop im Britney-Stil, anstatt das pseudo-kultivierte Potenzial zu fördern, das sie einst von ihren jugendlichen Kolleginnen unterschied. Der diesjährige designierte Duettpartner ist Marc Anthony mit einer Antwort auf „Where You Are“ aus dem letzten Jahr: „There You Were“. Der Track beherbergt solchen Unsinn wie “You reached through the hurricane/When you, baby, you called my name.” „What’s It Gonna Be“ klingt wie ein Oops!…I Did It Again-Outtake; Es ist geschmackloser Einweg-Kaugummi, der Simpson’s Gesangstalent völlig verschwendet. Jessica Simpson singt, tanzt und ruft gruselige Zitate wie eine B-Movie-Schauspielerin aus den Fünfzigern, die dazu verdammt ist, auf den Pfaden wahrer Stars zu wandeln. 

Ihr Debütalbum „Sweet Kisses“ aus dem Jahr 1999 ließ Mandy Moore wie eine Indie Künstlerin erscheinen. „Irresistible“ bietet eine etwas breitere Palette von Plastik-Balladen- und Pop-Dance-Pastellfarben. „Imagination“ gurgelt hüpfenden R&B in seiner kindlichsten Form, mit freundlicher Genehmigung von Spice-Girls-Killer Rodney Jerkins. Man nehme den Celine-Dion-Schmalz von „When You Told Me You Loved Me“ bis auf die spanische Gitarre herunter und wir hätten hier eine anständige Babyface-artige Melodie, die nur darauf wartet, freigesetzt zu werden. Trotzdem nimmt dies nur sehr wenig von der eigentlichen Platte ein, die von glänzendem Teenie Pop umgeben ist, der so konzipiert wurde, dass er sich auf den neuesten Stand der Technik befinden soll und am Ende doch seltsam veraltet klingt. 

Das ist zwar nicht unbedingt eine schlechte Sache, zumindest oberflächlich betrachtet, aber abgesehen von dem Eröffnungs-Doppel „Irresistible“ und „A Little Bit“ wird keiner der Songs als Song registriert – sie sind nur stilvolle Hintergrundmusik. Und bei so vielen Teen-Pop-Auswahlmöglichkeiten, an denen man sich derzeit hemmungslosbedienen kann, wirkt dieser Abschlussballkönigin-Cyborg überflüssig und rückschrittlich.

5.0