Japanese Breakfast – Psychopomp

Indie Rock, VÖ: April 2016
Shows in Kellerräumen zu spielen bietet vielleicht keine Sicherheit für Erwachsene, genauso wie das Schreiben von Songs über einen der schlimmsten Verluste des Lebens nicht unbedingt Lösungen bietet, aber das Überleben ist seine eigene Belohnung. Und PSYCHOPOMP von JAPANESE BREAKFAST bietet viel mehr als das.

Auf halbem Weg durch „Year of the Sunhouse“ der Little Big League fragt irgendein Dummkopf Michelle Zauner, ob sie immer noch „playing basement shows with the band—doing the music thing?“ Sie brüllt zurück: „Well yes I fuckin‘ a-a-am!“ Ihr Stolz war berechtigt. Das unterschätzte Quartett aus Philadelphia gehörte zu den besten seiner Art und spielte knorrigen, sprudelnden Indie-Rock, der sich mit dunkleren Themen wie sexueller Gewalt und Untreue auseinandersetzte. Kurz vor der Veröffentlichung dieser Single Ende 2014 wurde bei Zauner’s Mutter Krebs diagnostiziert. Die Frontfrau/Gitarristin hörte auf, Kellershows mit der Band zu spielen, und zog zurück in die Kleinstadt Oregon, um bei ihrer Mutter zu sein und später ihren verwitweten Vater zu trösten. 

„Psychopomp“ kam in diesem Jahr im ländlichen Eugene zusammen, wo Zauner Songs aus ihren früheren Lo-Fi-Veröffentlichungen unter dem Namen Japanese Breakfast überarbeitete. In Zusammenarbeit mit dem Musiker Ned Eisenberg hat sie sie über ihre ursprünglichen, heruntergekommenen Kellergrenzen hinaus in schimmernde Edelsteine versetzt. Nur weil sie aus Little Big League ausgestiegen ist, heißt das nicht, dass sie ihr Bedürfnis nach einem guten Solo aufgegeben hat. Bei „Rugged Country“, dem wohl geradlinigsten Rocksong des Albums, lässt Zauner ihre Gitarre erklingen. Klare Strums führen direkt in ihr temperamentvolles Solo. Während sie hier ihre beachtlichen Gitarrenfähigkeiten unter Beweis stellt, weiß sie auch, wann sie es ins Rampenlicht rücken und wann sie einen Schritt zurücktreten sollte.

Es ist gut, dass sie keine Angst hat, sich zu verlaufen. Die entscheidenden Stärken von Japanese Breakfast liegen in der unglaublich vollen Instrumentierung. „Psychopomp“ entfesselt bei jeder sich bietenden Gelegenheit pure Hochstimmung. Die Wärme des Albums erreicht bei „Everybody Wants To Love You“, einer zweiminütigen Explosion aus Wohlfühl-Riffs und flüssigem Synthesizer, einen Höhepunkt der Verträumtheit. Der Titeltrack beginnt mit den dissoziativen Synthesizern von The Books, bevor er Mogwai-Vibes annimmt und sich schließlich auf ein aufgezeichnetes Telefongespräch konzentriert. Zwei Charaktere unterhalten sich, wir hören nur das Knistern des schlechten Empfangs, bevor wir ihren letzten Austausch entziffern können: „Don’t cry.“ 

Es ist ebenso ein Befehl an sich selbst wie an uns. „Psychocomp“ jagt der Freude nach und lässt uns voller Überzeugung zurück, dass dies doch unser Jahr sein könnte.

7.6