Hurray for the Riff Raff – The Navigator

Americana, VÖ: März 2017
Nicht anders als Solange in ihrem atemberaubenden Opus von 2016 nutzt ALYNDA LEE SEGARRA ihr neues Album THE NAVIGATOR, um mehr Plätze am Tisch für jene Stimmen zu fordern, die es schon immer gab, aber einfach ungehört blieben.

Auf ihrem sechsten Album schließt sich der Kreis und endet dort, wo die Songwriterin Alynda Segarra, begonnen hat. „The Navigator“ stellt eine Rückkehr nach Jahren des Wanderns dar – oder, wie Segarra es ausdrückt: „I’ve been a hungry ghost“ und bezieht sich damit auf den fernöstlichen Mythos des ruhelosen Geistes, dem keine Nahrungsgaben angeboten werden. „The Navigator“ soll ein Konzeptalbum über ein Alter Ego namens Navita sein, doch der Teenager-Punk Segarra lief aus der New Yorker Bronx davon, um in Güterwaggons als Straßenmusikantin Roots-Musik zu machen. Durch dieses risikoreiche Leben verlor sie Freunde und gründete schließlich eine Gemeinschaft gleichgesinnter Musiker in New Orleans. 

Hurray for the Riff Raff interpretierte Americana neu (feministischer, inklusiver) mit zwei wunderbaren Alben – „Look Out Mama“ aus dem Jahr 2012 und „Small Town Heroes“ aus dem Jahr 2014 – bevor Segarra erneut weiterzog. Jetzt hat sich die umherziehende Songwriterin wieder mit ihrem eigenen Erbe als New Yorkerin mit puertoricanischer Abstammung auseinandergesetzt. „The Navigator“ ist eine zeitgemäße Reihe von Liedern, in denen Segarra Patti Smith, die Poesie des nuyorianischen Schriftstellers Pedro Pietri und die Klänge des New York der 70er Jahre („Living in the City“, „Fourteen Floors“) neben lässigen, eher puerto-ricanischen Formen vereint.

In „The Navigator“ tritt Alynda für die Stimmlosen, Verletzlichen und Unsichtbaren ein, von Emmett Till, einem 14-jährigen Afroamerikaner, der 1941 gelyncht wurde, aber in dem atemberaubenden Ruf zu den Waffen „Pa’lante“ weiterlebt, an die Demonstranten von Standing Rock, dem die schlurfende Bomba von ‚Rican Beach‘ gewidmet ist. „Now all the politicians they just squawk their mouths/They said we’ll build a wall to keep them out“, singt sie mit scharfer Absicht über diese trotzig Anti-Trump-Bilanz, bevor sie eine deutliche Warnung ausspricht. „Now the poets were dying of a silence disease/So it happened quickly and with much ease.“

„You can still hear us in the piece of a beat, or in that music made from scratch“, sagte Sundiata in seinem Gedicht über seine eigenen Vorfahren, deren Schicksale mit denen von Segarra verflochten sind. Sie fordert uns heraus, diese verlorenen Stimmen wiederzuentdecken und Musik zu machen, die sich an ihre Namen erinnert. Das ist die Essenz der Roots-Musik: Sie ernährt die Zukunft und besteht darauf, am Leben zu bleiben.

8.5