Hudson Mohawke – Cry Sugar

PopRock, August 2022
Der in Schottland geborene Produzent ROSS BIRCHARD nennt “American decadence” und den “quintessential backdrop of late capitalism” als Inspiration für sein erstes Soloalbum seit sieben Jahren.

Als Ross Birchard alias Hudson Mohawke 2009 sein Debütalbum „Butter“ veröffentlichte, war er ein wenig bekannter, aber hoch angesehener Produzent aus Glasgow, der umwerfende Sounds produzierte. Seitdem hat er einige der größten Platten des letzten Jahrzehnts produziert und eine unbestreitbar einflussreiche Rolle bei der Gestaltung des Hip-Hop-Sounds in den 2010er Jahren gespielt. Auf seinem dritten Album „Cry Sugar“ scheut Birchard nicht vor seinen Verbindungen zum Hip-Hop und insbesondere zu Kanye West zurück, indem er auf 19 Tracks durchgehend verschiedene Soul-Samples verwendet. Aber „Cry Sugar“ ist wirklich ein Fest der Tanzmusik. Im Jahr 2020 veröffentlichte er drei Mixtapes mit bisher unveröffentlichtem Archivmaterial, von denen einige aus der Mitte der 00er Jahre stammen. Sein neues Album geht sogar noch weiter zurück auf die Art von lebhaftem, fröhlichem Hardcore, der in Schottland während seiner Kindheit beliebt war und vermutlich über Radio und Rave-Tape-Packs in sein Leben sickerte.

Aber wenn die Liebe zum Hardcore ein roter Faden ist, der sich durch Birchard’s Arbeit zieht, schien sie nie so deutlich zu sein wie auf „Cry Sugar“. Trotz der Auftritte von Hip-Hop-Schwergewichten wie Tayla Parx und Chad Hugo von den Neptunes, ist der Einfluss des Hardcore überall, von den Mentasm-inspirierten „Hoover“-Synthesizern, von der schwerlidrigen weiblichen Stimme auf „Dance Forever“ bis hin zu den gesampelten Jaulen und Schreien, die die Beats auf „Tincture“ und „Rain Shadow“ unterstreichen. „Tincture“ setzt flimmernde Gesänge in einen flotten, klopfenden Garagen-Shuffle und „Come a Little Closer“ ist eine besonders spritzige Mischung aus Trap und Pop. Von der Party lenken Tracks wie „Stump“ ab, eine cineastische Fanfare voller Schwärme nervöser Störungen und seltsamer, matschiger Experimente wie das beängstigende „KPIPE“. 

„Cry Sugar“ ist in gewisser Weise Birchard’s längstes Album, mit 19 Tracks, die über 63 Minuten Spielzeit mit sich bringen. Aber es ist nicht die Art eines aufgeblähten Event-Rap-Albums, sondern ein großartiger elektronischer Longplayer und so erhalten wir mit „Cry Sugar“ ein Sammelalbum mit interessanten Ideen, Ablenkungen und Nachahmungen von einem Produzenten, der uns zu diesem Zeitpunkt wenig zu beweisen hat.

7.8