Helge Schneider – Sommer, Sonne, Kaktus!

Jazz, Juli 2013

Völlig aus dem Takt gefallene Handklatsch-Einlagen zu sinnfreien Texten kreieren in den ersten Minuten das typische eigenwillige Bildkino des Helge Schneiders vor unserem geistigen Auge. „…und es ist auch für mich…was ist das denn? Ne Laus. Aha. Scheiße ich hab Läuse.“ So ist das. Kaktus. Ka-ka-ka-ka-katus. So-so-so-so-sommer. Ha-ha-ha-ha-hallenbad. Es soll ja Menschen geben die kennen den Helge nicht. Vermutlich wird dieser Track dann auch für den Rest Ihres Lebens der Erste und Letzte Einblick in die verquere Welt des Mannes der 1.000 Charaktere sein. Für alle anderen weiter im Text: entstanden ist das brandneue Material von ‚ Sommer, Sonne, Kaktus! ‚ in Schneiders spanischer Hütte und in seinem legendären Studio in Mühlheim. Der Titel passt – man möchte es nicht glauben – absolut zu den Songs. Es brennt die Sonne auf die gerösteten Schultern. „Offenes Hemd und der Wind streift meine Haut“, heißt es dazu passend im dritten Stück und hier präsentiert Schneider sein „Juttilein“ im südländisch angehauchten Liebesgewand, pfeift danach in den ersten Sekunden einen der hier neu aufbereiteten Jazz-Evergreens wie die Jerry Jeff Walker-Nummer ‚ Mr. Bojangles ‚, oder Judy Garlands Welthit ‚ Somewhere Over The Rainbow ‚. Schneider’s überragende Kunstfertigkeit schlägt natürlich besonders in den Welten des Jazz durch. Aber auch eine Nummer wie ‚ Drinking Blues ‚ ist derart versoffen, dass man auch im nüchternen Zustand schnell während diesen Minuten ins schwanken gerät. ‚ To Be A Man ‚ gibt es auf der Platte gleich zweimal. Einmal kurz und einmal als Extended Version. Kurz darauf wird in ‚ Catwalk Melodie ‚ das Saxophon ins Rampenlicht geschoben, bevor ‚ Scrubble Di Bubble ‚ auf weitere Kommentare verzichten darf. Der Titel ist zugleich auch Songtext in den knappen zwei Minuten Spielzeit. Mit ‚ It Ain’t Necessarily So ‚ bietet uns Helge Schneider dann einen äußerst geschmeidigen Abgang und zugleich die gesteigerte Vorfreude auf seinen kommenden Kinofilm „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“. Der Trailer dazu ist bemerkenswert und wie ein Kommentar darunter es schon deutlich auf den Punkt bringt: ein Til Schweiger kann von diesen Minuten noch sehr viel lernen.