HEALTH – RAT WARS

Metal, VÖ: Dezember 2023
Die abrupten Wendungen von RAT WARS hinterlassen einen tiefgreifenden Eindruck, lenken aber nie ab – sie sind nur ein weiterer Beweis dafür, dass HEALTH auch in ihrem zweiten Jahrzehnt immer noch beeindruckende Ausdrucksformen von Verletztheit und Verletztwerden entdecken.

HEALTH sind eine der aufregendsten Bands, die derzeit aktiv sind. In einem übersättigten Markt, der mit einem Dutzend Bands und Künstlern gefüllt ist, die alle das „Angesagte“ in ihrem jeweiligen Bereich reproduzieren, machen HEALTH hier ihr eigenes Ding und bringen ein Projekt nach dem anderen auf den Punkt. Tatsächlich befinden sich HEALTH an einem Punkt ihrer Karriere, an dem man keine Ahnung hat, wohin sie stilistisch gehen werden. Sicher, „DISCO4“ hat – wie „DEATH MAGIC“, „DISCO3“ und „VOL. 4 :: SLAVES OF FEAR“ – einige Hinweise für die Richtung von „RAT WARS“ gegeben, aber es war schwer abzuschätzen, wie es ausgehen würde. Auf „RAT WARS“ beschwören sie ihre bisher wirkungsvollste Darstellung ihrer unverwechselbaren Ästhetik, eine aalglatte Nachtfahrt durch verregnete, neonbeleuchtete Straßen auf der Suche nach Antworten auf existenzielle Krisen. 

Es gibt genug knackige Gitarren und mechanistische Beats, die darauf hindeuten, dass Nine Inch Nails zum x-ten Mal in Folge an der Spitze des HEALTH-Kollektivs Spotify Unwrapped stehen werden. Allerdings sind diese klassischen Industrial-Signifikanten von Anfang an mit zeitgenössischen Elektronik- und Pop-Produktionsstilen verbunden, wobei „DEMIGODS“ und „FUTURE OF HELL“ ebenso auf tiefgründige Selbstbeobachtung wie Presslufthammer-Wut bedacht sind. Frontmann Jake Duzsik macht einen melancholischen Eindruck, seine Texte und sein Gesang sind düster, aber mit dezentem melodischem Gespür. „UNLOVED“ ist die Art von finsterer Ballade, die Depeche Mode so gut beherrschen, während der Schlussteil „DON’T TRY“ die Band in ihrer reduziertesten und bewegendsten Form zeigt.

Indem sie ihre Ängste und ihre kollektive Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft voll und ganz anerkennen, haben HEALTH eine weitere wesentliche Erfolgsbilanz vorzuweisen – eine, die Wildheit und Aufrichtigkeit gleichermaßen vollkommen und makellos umfasst. Für Zuhörerinnen außerhalb des Umfelds moderner Elektronik und Metal mag es sich durchaus als überwältigend erweisen, aber für Fans beider ist es eine atemberaubende Veröffentlichung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

8.8