Hand Habits – Wildly Idle (Humble Before the Void)

FolkIndie Rock, VÖ: Februar 2017
Das Debüt von HAND HABITS beschwört ein eindrucksvolles Bild herauf, das sich mit ausgestreckten Armen einem weitläufigen Unbekannten unterwirft.

Aus den ersten und letzten Zeilen von „Wildly Idle (Humble Before the Void)“ können wir viel darüber erzählen, was uns erwartet. Der eröffnende Track „Flower Glass“ taucht in die Bestätigung ein: „I know I’m not the picture perfect vision made in your mind. I know I’m not the one you would’ve thought your love would look like.“ Zum Abschluss des Albums singt Hand Habits zart: „When I get my new bones, I’m gonna grow“. Diesen Übergang im Laufe eines Albums zu vollziehen – von einem Eingeständnis der Unwürdigkeit zu einem Gelübde der Erneuerung – ist eine phänomenale Leistung. Die Reise zwischen diesen beiden Punkten ist reichlich. Es ist gefüllt mit Gedichten von Freundinnen, die über Passagen geäußert werden, die wie Zelluloid-Filmstreifen klassischer Western in Flammen stehen und rauchen. 

Windspiele und digitale Blips, Slide-Soli, die wie Telefondrähte über Wüstenhorizonte schweben. Gitarrenmelodien flackern in Wirbeln wie tollwütige Glühwürmchen. Es sind langsame, herabhängende, faule Sommertage. In Hängematten im Schatten liegen und hin und wieder die Sonne auf Arm und Beinen spüren. „Flower Glass“ beginnt damit, dass nur Duffy über einer leicht gezupften Gitarre singt, während hier und da perfekt erhabene Elektrik und Schlagzeug hinzukommen und diesen atemberaubenden Track erschaffen. Die Texte und die Darbietung von „Actress“ werden in unseren Köpfen hängen bleiben. Es ist so ein verträumter Track mit Gesangsharmonien, halllastiger Gitarre und sogar einem kleinen umgekehrten Gitarrenpart. 

In „All the While“, einem glückseligen Highlight, verwandelt sich ein ruhiges Klirren in ein Grollen aus einer Seitengasse, während Duffy’s Gesang zur Seite tritt und ihre sengende Gitarre übernimmt. Sogar ein relativ helleres, lebhafteres Lied wie „Nite Life“ hat den gemächlichen Twang von Slide-Gitarre, spacigen Effekten und luftigem Gesang. Drei kurze „Szenen“ sind über die Titelliste verteilt: „Great LA“, „Cowboy“ und „Time Hole“. Durch die Einbeziehung von Samples ist jedes einzelne eine atmosphärische Texturübung, die die Form aufgibt und nur das verträumte, treibende Gefühl des Albums verstärkt. Anstatt mit 13 trägen Tracks und einer 50-minütigen Spielzeit langweilig zu werden, bleibt der Reiz von „Wildly Idle (Humble Before the Void)“ bestehen, indem es Tiefe bei wiederholtem Hören offenbart.

7.6