Half Waif – Lavender

ElectronicSynth Pop, VÖ: April 2018
Durchweg sehr menschliche Texte, wehmütige Intervalle, eine mechanische Palette und Komponenten, die manchmal so verändert werden, dass sie Organisches und Anorganisches vermischen, sorgen für einen eleganten Synth-Art-Pop. Wie die Welt, in der ihre Texte leben, ist HALF WAIF eisig und intim zugleich.

Viele kennen Half Waif wegen des vielleicht kontroversen Erfolgs von Pinegrove, zu dem auch die Bandkollegen Adan Carlo und Zack Levine gehören. Mit diesem Unterfangen beweisen Plunkett und Co. dauerhaft, dass sie eine eigenständige Kraft sind, mit der man rechnen muss. Obwohl die erfolgreichen Elemente von Pinegrove definitiv vorhanden sind – eine Liebe zur Geschichte, eine sofortige und unbeschreibliche Vertrautheit zwischen Künstlerin und Publikum und vielleicht sogar eine Anspielung auf das bahnbrechende Album „Cardinal“ im Eröffnungssong – zeigt dieses Album, dass Half Waif einen Schritt weiter geht. Es ist eine Sammlung von Liedern über Umbrüche in ihren vielen Formen: geografisch, politisch, emotional. Ein Album, das viel Zeit mit Übergängen und Suchen verbringt.

Die vorherrschendsten dieser Beschäftigungen sind Plunkett’s Reflexionen über ihre Heimat, ihre Wurzeln und die Bedeutung der weiblichen Figuren in ihrer Familie. Plunkett ist Schweizerin, irischer und indischer Abstammung und der Eröffnungstrack des Albums „Lavender Burning“ ist eine Anspielung auf die Angewohnheit ihrer Großmutter Asha, die Pflanze in der Küche zu kochen und das Haus mit ihrem einschläfernden Aroma zu erfüllen. Zunächst sind es Titel wie „Torches“, „Keep It Out“ und „Salt Candy“, die unser Interesse wecken. Ihre langsamen, grollenden Synthesizer und fließend strukturierten Beats erzeugen eine ungewöhnlich warme Atmosphäre, die so viele andere Synthesizer-lastige Alben nicht erreichen können.

Durch seine gewichtigen Diskussionen über Verlangen und Liebe und die Unmöglichkeit einer vollständigen Lösung in irgendeiner Beziehung weckt „Lavender“ ein Gefühl der Freiheit. Es wäre leicht, sich in diesen Themen zu verzetteln, aufzugeben und das Album zu einem Denkmal der Verzweiflung zu machen. Stattdessen findet Plunkett in ihren Liedern Schwung, als ob das Benennen und Analysieren der Feinheiten liebender Menschen ihr Gewicht irgendwie heben würde. Irgendwann kommt der Punkt, an dem einem klar wird, dass die Hingabe an jemanden zu Leid der einen oder anderen Art führen wird, und man gibt sich dem trotzdem hin. „Lavender“ greift diesen Moment der Hingabe auf und hält seine seltsame Alchemie hoch, um im Licht zu glitzern.

8.0