Gossip – Real Power

Pop, VÖ: März 2024
Auf REAL POWER gibt es genügend Beweise dafür, dass das Feuer, das GOSSIP einst aufsteigen ließ, immer noch so hell brennt wie eh und je.

Der Eröffnungstrack „Act of God“ des ersten Studioalbums von Gossip seit 12 Jahren, weist alle Merkmale der Musik des Trios auf: einen beschwingten Disco-Groove, Gothic-Post-Punk-Untertöne und natürlich Beth Ditto’s gefühlvolle Stimme. So auch der nächste Titel. Und der nächste. Die 11 Titel hier reichen von schillernden Sommer-Pop-Hymnen bis hin zu tuckernden Disco-Songs, jeder so lebendig und sprudelnd wie der andere. „Turn the Card Slowly“ enthält eine neuartige, hawaiianisch inspirierte Slide-Gitarre (das Album wurde teilweise im Studio von Produzent Rick Rubin in Kauai aufgenommen), aber es fühlt sich klobig und fehl am Platz inmitten dessen an, was ansonsten wie ein typischer Gossip-Song klingt. 

Die Visitenkarte der Band war und bleibt Ditto’s Stimme, die ebenso in der Lage ist, sanften Soul zu singen wie Riot-Grrrl-Anweisungen zu liefern. Sie ist zu gleichen Teilen Joan Jett und Adele, mit einem ganz eigenen, unnachahmlichen Wehklagen. Abgesehen von diesen einleitenden Titeln und einigen anderen („Give It Up for Love“ stolziert zu einem Beat von Nile Rogers) läuft das Album in einem angenehmen Midtempo-Tempo dahin. „Crazy Again“ schwelgt im Vergnügen der Liebe, während Ditto von der Hingabe zum Widerstand reicht. “‘Cause you know what I’m like/ And I might go crazy/ Crazy over you,” intoniert sie und drückt ihre Stimme in ein engelhaftes Falsett-Quietschen.

Gossip hat es nie an Mut gemangelt, aber auf „Real Power“ scheint ihnen klar geworden zu sein, dass (vergleichsweise) ruhige Gewässer auch tief sein können. „Real Power“ ist ein Beweis für die unnachgiebige Hingabe von Gossip an ihren charakteristischen Stil. Zugegebenermaßen ist es keine ungeschickte Art, ein Comeback zu inszenieren, wenn man Fans und Kritiker daran erinnert, dass die Band zum Pionier der Pop-Punk-Disco beigetragen hat. Aber für alle, die hoffen, dass sich Gossip in den Jahren seit „A Joyful Noise“ aus dem Jahr 2012 weiterentwickelt haben, dürfte „Real Power“ dagegen eine echte Enttäuschung sein.

7.0