girl in red – I’M DOING IT AGAIN BABY!

Indie PopIndie Rock, VÖ: April 2024
I’M DOING IT AGAIN BABY! macht große, mutige Schwünge. Einige von ihnen gelingen nicht. Aber Risiko gehört, wie MARIE ULVEN im typisch offenen Eröffnungstrack I’m Back singt, „all part of being alive.“

Mit einem Titel, der fast schon alles sagt, „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ ist es das zweite Album der offenherzigen Popprofessorin Marie Ulven, besser bekannt als girl in red. Nachdem sie bei ihrem Debüt in den internationalen Charts (If I Could Make It Go Quiet 2021) in Songs mit Titeln wie „Serotonin“ und „Hornylovesickmess“ mit inneren Dämonen und Objekten der Zuneigung kämpfte, suchte sie professionelle Behandlung, bevor sie mit verbesserter Grundhaltung und neu gewonnenem Vertrauen ins Studio zurückkehrte. Mittlerweile dreht die Norwegerin stilistisch die Lautstärke auf und überrascht, indem sie eine Vielzahl von Genres innerhalb einer Hauptrichtung aus meist feierlichem Alt-Pop und Dance-Rock berührt.

Überall in ihren neuen Liedern fasst Marie Ulven die Lektionen fürs Leben, die sie in den Jahren seit ihrem Debüt gelernt hat, mit ihrer Erkenntnis zusammen: „Time doesn’t stop for a sad little girl.“ „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ ist so persönlich und verletzlich wie eh und je, geschrieben und produziert mit ihrem Mitarbeiter Matias Tellez. Sie ist immer noch das gleiche alte melodramatische Ich und gesteht: „I know I have a tendency / Melancholic tragedy always seems to follow me around.“ Dennoch strebt sie im Titelsong nach Positivität, einem schwungvollen Synth-Groove im New-Order-Stil, in dem sie prahlt: „Got the Japanese denim / and loafers on my feet / Lookin’ like a rock star from the Seventies.“

Auch wenn die nächsten Tracks „A Night To Remember“ und „Pick Me“ von sanfter Natur sind, verlieren sie nie das klassische Mädchen im roten, treibenden, pulsierenden Beat. Aber obwohl es sich um dynamische Tracks handelt, fühlt sich der ständige Wechsel zwischen dem hochenergetischen Modus und seinem introspektiven Gegenstück nicht motiviert an. Dann wechselt das Album noch einmal den Stil. „Ugly Side“ zeichnet sich durch seinen üppig groovigen Beat aus, ein Gefühl, das dadurch untergraben wird, dass es so spät auf der Platte platziert ist. 

Gleiches gilt für das eingängige „New Love“ und „★★★★★“ beendet plötzlich das Projekt auf eine sehr unpassende Art und Weise. Ja so ist das ständige Zickzack-Gehüpfe zwischen Tempi und Stimmungen ermüdend. Das Album ist ein wahrer Beweis für ihre Stärken als Texterin und Interpretin, hätte aber so chaotisch sein dürfen, wie es zunächst zu versprechen schien.

7.3