Future Islands – People Who Aren’t There Anymore

Synth Pop, VÖ: Januar 2024
Die bewährte, glänzende Synth-Pop-Palette von FUTURE ISLANDS ist auch auf PEOPLE WHO AREN’T THERE ANYMORE durchgehend mit frischen klanglichen Ambitionen gespickt.

Future Islands, angeführt von ihrem mystischen, animierten Frontmann Samuel T. Herring, explodierten (im Indie-Sinne), nachdem sie 2014 mit einer Aufführung von „Seasons (Waiting On You)“ ihr Fernsehdebüt bei Letterman gaben. Vier Minuten später erfuhr die Welt endlich von Herring und seiner Crew. Und dieses Knurren, diese Tanzbewegungen, dieser Groove – ein Schalter wurde augenblicklich umgelegt. Und ebenso wurde das Album „Singles“ sofort zu einem der wichtigsten Synth-Pop-Projekte dieses Jahrtausends. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Future Islands – bestehend aus Herring, Gerrit Welmers, William Cashion und Michael Lowry – noch eine Nischengruppe aus Baltimore.

„People Who Aren’t There Anymore“ ist seitdem ihr drittes Album nach „The Far Field“ (2017) und „As Long as You Are“ (2020) und ist, wie der Titel schon andeutet, eine eher introspektive Aufnahme. Verlust und Sterblichkeit sind in den 12 Liedern ständige Themen. Songs wie „Deep in the Night“, „Say Goodbye“ und „Give Me the Ghost Back“ konstruieren leere Welten der Trennung, Abwesenheit und Sehnsucht. Auf diese Weise kehrt die unerwiderte Sensibilität von „Seasons (Waiting on You)“ noch einmal zurück. „What shall I do with this absurdity — / O heart, O troubled heart — this caricature / Decrepit age that has been tied to me…“ 

Diese Zeilen stammen nicht von Future Islands, sondern aus dem Anfang von „The Tower“ (1928) von William Butler Yeats. Es ist ein Gedicht über das Altern – wiederum über den Lauf der Zeit – und, zufällig oder nicht, scheinen Herring’s Texte zur Single „The Tower“ vor den Themen dieses früheren Gedichts zu knien. „I am waiting on the other side“, wiederholt Herring im Refrain, der Seite, von der er sagt, dass sie sowohl zeitlich als auch physisch ist. „I lie, tell myself, ‘It’s okay’, when it’s not quite.“ Wenn man etwas auszusetzen hat, dann ist es, dass dieses neue Album in Stil und Klang stark seinen Vorgängern ähnelt. Diese Platte ist kein großer Sprung nach vorne. 

Future Islands haben ihren etablierten Ansatz des magnetischen Synth Pops nun vor einem Jahrzehnt entwickelt, und es war schwierig, diesen Entwurf vollständig zu überarbeiten oder abzuschütteln, vor allem weil er so gut funktioniert. Einige Titel aus der hinteren Hälfte von „People Who Aren’t There Anymore“ wirken dadurch formelhafter. Wenn William Cashion’s E-Gitarre bei „The Sickness“ einsetzt (oder eindringt?), präsentiert sie eine Idee, die einer weiteren Ausarbeitung bedarf. Doch am Ende des Ganzen steht Herring’s sagenhaft ausdrucksstarke Stimme im Mittelpunkt, die wie geschaffen ist, um Geschichten voller Kummer zu erzählen.

7.6