Frittenbude – Nachtigall

ElectronicPop, VÖ: Juni 2008

Frittenbude stammen aus München, Bayern, spielen Elektro-Punk und bringen passend zum zweiten Album ‚ Arbeit Nervt ‚ von Deichkind Ihre Debütplatte ‚ Nachtigall ‚ auf Audiolith in die Läden. Eine billige Kopie könnte man nun geradewegs behaupten? Nein, zumindest darf man auf den Zusatz „billig“ verzichten. Denn das streifen die drei Münchner bereits im Opener ‚ Hildegard ‚ mühelos von den Schultern und setzen mit dumpfen Beats die Dancefloors in Vibrationen. Eindrucksvoll und dennoch mit einer gewissen Lässigkeit schrauben sich die nervösen Synthies durch harte Betonplatten, dringen in die Wohnungen der Nachbarn ein und vollführen hier kurzerhand ein Chaos der Marke Frittenbude. Ein Duft der streng in der Nase hängt und sich mit ‚ Ein Affentanz ‚ schließlich in unsere Gehirne saugt. Textlich lassen sich zwar einige Mängel feststellen, „Das Basslaster exportiert die Hirndisco/ Alle Pandabären kommen her und werden froh/ Das Basslaster exportiert die Hirndisco/ Alle Pandabären schnitzeln sich und werden froh“, doch bei den anfänglichen Minuten dürfen Kleinigkeiten vernachlässigt werden.

‚ Pandabär ‚ auf der Scheibe und rockend auf dem Cover wabbert mit ordentlich Drall durch knappe fünf Minuten und spätestens hier erinnern Frittenbude weniger an Deichkind als vielmehr an die Herrschaften von Mediengruppe Telekommander. Doch seien Vergleiche mal dahingestellt, denn ‚ Mindestens in 1000 Jahren ‚ und ‚ Irgendwie lieb ich das ‚ bieten mageren Durchschnitt. ‚ Superschnitzellovesong ‚ bietet zwar nette Unterhaltung mit dem Schnitzelkönig und der Schnitzelqueen, doch vollführen spätestens hier die Loops Ihre dritte Runde in konstanter Gleichmäßigkeit. ‚ Die Nacht ‚ verliert komplett den Faden, besticht mit konsequenter Planlosigkeit und knallt den Korken zurück auf die halboffene Flasche. So schnell und überraschend können Parties zu Ende gehen. Was als bitterer Nachgeschmack in Hälfte zwei bleiben, sind Ideen aus dem ersten Teil und so darf der zweite Satz von oben korrigiert werden:

Deichkind bleiben zwar weiterhin unberührt, das aber nur weil Frittenbude kurz nach der ersten Hälfte beginnen, Ihre eigenen Songs zu kopieren. Und diese Kopien wandern anschließend in die zweite Hälfte von ‚ Nachtigall ‚. Schlussendlich wäre es ein Ausrufezeichen geworden, immerhin ist München nicht unbedingt als florierende Subkultur in Sachen Elektro-Punk unterwegs, doch es sollte nicht so sein. Damit belassen es Frittenbude bei einem missglückten Versuch, der nur in den anfänglichen Minuten darüber hinweg täuschen konnte.

6.0