Enter Shikari – A Kiss For The Whole World

Rock, VÖ: Mai 2023
Bands verkünden oft eine Wiedergeburt, wenn ein neues Album ansteht, aber auf A KISS FOR THE WHOLE WORDL von ENTER SHIKARI kann man wirklich spüren, wie das Leben aus der Platte strömt.

Ohne Live-Musik befand sich Enter Shikari’s Rou Reynolds in einer kreativen Dürre. Als dank der Verbreitung von COVID-19 bei Gigs der Stecker gezogen wurde, schrieb er anderthalb Jahre lang keine Texte, seine Inspiration und Motivation waren erschöpft; Die Band veröffentlichte ihr neuestes Album „Nothing Is True and Everything Is Possible“ im April 2020, als sich das Ausmaß des Augenblicks gerade erst abzeichnete. „My brain was basically saying, ‘What’s the point in writing music if you can’t share it in a life experience with others?“, sagte Reynolds im Januar gegenüber NME. „My sense of purpose had disappeared. It was very surreal because we were essentially witnessing the death of our band, and we couldn’t do anything about it.“

Es ist daher keine Überraschung, dass „A Kiss For The Whole World“ von einem allgegenwärtigen Gefühl der Erneuerung angetrieben wird. Von dem Moment an, in dem das blecherne Intro und das federnde Eröffnungsriff des Titeltracks durchstürmen, gibt es hier kein Zurück mehr. Dieser Track bezieht sich auf die Melodie von Beethoven’s Ode an die Freude, wird aber von der trotzigen, chaotischen Moderne von „(pls) set me on fire“ in den Schatten gestellt. „It Hurts“ stellt den deutlichsten Hauch von Melancholie des Albums auf eine kathartische Tanzfläche und kreiert daraus eine zerstörenden Hymne für die Ewigkeit. „A Kiss For The Whole World“ ist mit expliziten Anspielungen auf Shikari’s Geschichte übersät, insbesondere der Text in „Jailbreak“: 

„I wish I was back in the dreamer’s hotel.“ Auf einer breiteren Ebene zeigt dies Shikari’s Fähigkeit, von Natur aus experimentell und relevant zu bleiben, aber dennoch ein starkes Bewusstsein für ihre Wurzeln zu bewahren. „A Kiss For The Whole World“ trägt die komplizierten Klanglandschaften von „The Spark“ und „Nothing Is True & Everything is Possible“ weiter und treibt die Band in eine neue Dimension vielschichtiger, hymnischer Tiefe. Die Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart gehören Enter Shikari und restrukturiert die schiere Bedeutung von Kreativität mit einem weiteren beeindruckenden Album.

7.0