Emma Ruth Rundle – Marked for Death

Indie Rock, VÖ: September 2016
Die Intimität von EMMA RUTH RUNDLEs verletzten Erzählungen auf MARKED FOR DEATH scheint in deutlichem Kontrast zur Dichte ihrer gitarrengetriebenen Arrangements zu stehen, obwohl das Ausbalancieren von Kontrasten von Anfang an eine ihrer größten Stärken war.

Emma Ruth Rundle’s Stimme ist oft im Kontext verträumter, hypnotischer Gitarrenklänge als Teil der Los Angeles Heavy Shoegaze-Gruppe Marriages zu hören. Sie ist auch eine der Musikerinnen dieser Band, die einen Großteil dieser berauschenden, mit Effekten behandelten Gitarren liefert. Als Solokünstlerin ist jedoch ihre Gitarre die einzige Konstante. „Marked For Death“ ist Rundle’s bisher härteste Veröffentlichung, was für niemanden, der Zeit damit verbracht hat, die Tiefe und Weite des Sounds ihrer anderen Bands zu erkunden, nicht allzu überraschend sein sollte. Dadurch ist das Album am Ende auch ihr zugänglichstes, da größere Arrangements und aufgedrehte Verstärker zu dramatischeren Aufbauten und klar definierten Hooks beitragen. 

Der eröffnende Titeltrack ist ein unmittelbarer Beweis für ihre veränderte Herangehensweise, dessen Verlauf sowohl düster als auch unmittelbar ist, während sich Rundle’s starke Gitarrenklänge zu einem kraftvollen Refrain mit einem Krachen von Becken und Snare steigern. Nach den schwerfälligen Einleitungsstücken bricht die Spannung in „Medusa“ ab. Rundle’s Stimme, klar und ruhig, erhebt sich im unergründlichen Refrain des Liedes wie Dolores O’Riordan von den Cranberries. Die schönsten Momente des Albums sind in dieser Form entstanden und basieren auf einem Stil langsam aufbauender, jenseitiger Balladen, die an die frühen Tage von 4AD erinnern. 

In „Heaven“, Rundle’s bisher größtem Song, singt sie über einem leise eskalierenden Sturm aus Streichern, fingergezupften Gitarren und militanter Percussion. Als das Lied seinen Höhepunkt erreicht und Rundle brüllt: „I can see fire… I can see in heaven“, bist du genau dort bei ihr. Wunderschön und beunruhigend wirkt „Heaven“ wie der Höhepunkt und glänzt mit der erfreulichsten Melodie des Albums sowie dem gruseligsten Couplet. „The only church I’ll ever know is in the Earth“, singt sie. „The ground below me says ‘Come home now.“ Sie sagte, dass sie möchte, dass dieses Album das Ende einer Ära darstellt und dass sie hofft, in den kommenden Jahren neue Wege des musikalischen Schaffens zu erkunden. 

Wenn dies wirklich das Schlusskapitel eines Buches vor dem Beginn eines anderen ist, dann ist es ein Höhepunkt, den niemand so schnell vergessen wird.

8.9