Eliza McLamb – Going Through It

Indie Rock, VÖ: Februar 2024
ELIZA MCLAMB macht keinen Hehl aus ihrer eigenen Sensibilität. Sie wandert mit großen Augen und der ausgeprägten Fähigkeit, sich über ihre eigene Sentimentalität lustig zu machen und sie gleichzeitig als ihre Superkraft zu schätzen, durch die heutige Welt.

Eliza McLamb ist Essayistin, Musikerin und Co-Moderatorin des Binchtopia-Podcasts. Vor „Going Through It“ hatte sie zwei EPs, „Salt Circle“ und „Memos“, sowie eine Handvoll Singles veröffentlicht. Jedes ihrer Werke wurzelt in scharfer Selbstbeobachtung und einschüchternder Weisheit, aber das Album treibt diese Selbstintellektualisierung besonders weiter in Richtung wahres Selbstbewusstsein. Sie hat nicht nur „die Arbeit erledigt“, sie gibt uns auch die Antworten. Der Eröffnungstrack „Before“ erleichtert uns den Einstieg in die Platte mit McLamb’s mühelos gleitendem Gesang und einer fingergezupften Gitarre, die wie auf offenem Wasser auf und ab hüpft. 

Wir hören, wie sinnlos es ist, der Vergangenheit hinterherzujagen in „a moment I’ll try to recapture / Through mushrooms and speeding through stop signs“. Auch wenn frühkindliche Nostalgie immer eine grundlegende Traurigkeit mit sich bringt, ist „Before“ kein Schwelgen. Es ist ein Lied der Akzeptanz und des Verständnisses, in dem McLamb ihre eigene Hand hält, während sie darum kämpft, die Vergangenheit loszulassen. „Anything You Want“ hat mit Bass, Gitarre und Schlagzeug eine unbeschwertere und hellere Note, wenngleich die harschen Texte bleiben. 

Sie beschreiben, wie es ist, mit den Augen anderer gesehen zu werden: „I’m a hard person to unravel / I’m an endless ball of yarn / I’m a labyrinth in the dark / I’m not anything you want“. Unmittelbar danach spielt sich „Modern Woman“ musikalisch genauso wie „Anything You Want“, greift aber ein anderes Thema des Albums auf. McLamb nutzt dieses Lied als Ventil für die traurigen Mädchen mit Zeilen wie, „Sad girl sings a simple song / All the others sing along.“ Für sie ist die „modern woman“ das traurige Mädchen, das ihre Gefühle spürt und sich Tag für Tag das Leben nimmt. 

In der Mitte des Albums lässt McLamb in „16“ eine Bombe platzen. Bisher enthielt „Going Through It“ ziemlich persönliche Texte und Anekdoten, aber in „16“ wird es zu einem enthüllenden Tagebuch. Aus den Eröffnungszeilen „Your girlfriend wants to take me to yoga class/ And you want me to stop cutting myself in the bathtub“, werden wir in eine Momentaufnahme von McLamb’s turbulentem Leben als Teenager hineingeführt. 

Am Ende ist „Going Through It“ eine bewegende Reise durch McLamb’s Gedanken und Leben. Sie ist eine herausragende Texterin und hat einen klassischen Indie-Girl-Sound. Wer ein Fan von Indie- und coolen Mädchen ist, sollte sich unbedingt McLamb ansehen.

8.6