ELIO – ELIO’S INFERNO

Synth Pop, August 2022
Als eigenständiges Album weicht ELIO’S INFERNO nicht weit von ihren früheren Veröffentlichungen ab. Es trägt jedoch zu ELIOs ständig wachsendem Katalog höchst unterhaltsamer Popsongs bei.

Dieses Mixtape bietet eine großartige Kostprobe der Fähigkeiten der in Kanada lebenden ELIO und enthüllt Fragmente aller Leben, die ELIO gleichzeitig lebt, und zieht uns in intime Songs mit einer riesigen Pop-Produktion. ELIO hat hier alle Songs mitgeschrieben und mitproduziert, von denen sich einige speziell auf ihre Erfahrungen in der Branche konzentrieren. Sie bewegt sie sich in Richtung elastischen und festlichen Pop mit einem gewagteren Sinn für Humor. Das prahlerische „TYPECAST“ nimmt ein ruckartiges Tempo und bedrohliche Gesänge an, um die Kritiken, die sie bewerten, direkt zu zerkauen. “No, I don’t wanna write like that / I checked the vibe and you didn’t pass,” singt sie in einem neutralen Ton. Mit dem schrillen „Godly Behavior“, dessen Output an Britney’s Darkchild-Ära erinnert, steigert sie die Prahlerei. Elio prahlt mit ihrem Selbstwertgefühl, das ihren neu gewonnenen Einfluss verdoppelt: “I want a feature on the next release / I want to party with me at Charli’s”, spottet sie und bietet eine augenzwinkernde Eigenwahrnehmung an.

Die Pop-Künstlerin aus Toronto arbeitete mit dem Produzenten Mike Wise (Charli XCX, Alessia Cara) sowie den langjährigen Mitarbeitern Emily Persich, Nick Mete, Rich Weller, Mickey Brandolino und Mathijs Kriebel an der Platte. “This project was about having fun and experimenting with my sound, trying to create my version of a great pop song in all its different forms,” sagte ELIO gegenüber The Line of Best Fit – und klanglich geht „ELIO’S INFERNO“ in verschiedene Richtungen und verstärkt ihren vertrauten, luftigen, an R&B angelehnten Schlafzimmer-Pop mit Aufnahmen von matschigen Hyperpop-Synthesizern und ein paar faszinierenden Anspielungen auf Timbaland- und Neptunes-Produktionen aus der Mitte der 00er Jahre. ELIO gelingt es, sich einem hellen und federleichten Pop-Stil zuzuwenden, wie auf dem prickelnden Club-Kiss-Off „9 Lives“ oder dem köstlichen Liebeslied „SUPERIMPOSE“. Beide schöpfen aus dem beschleunigten Gefühlsrausch, den sie versucht, in uns zu wecken, und bieten dabei melodischen Dance-Pop. 

„ELIO’S INFERNO“ betritt nicht viel Neuland, aber es ist ein vergnügliches Konfekt einer jungen aufstrebenden Künstlerin, die begierig darauf ist, ihren Anspruch geltend zu machen, wie chaotisch dieser Prozess auch sein mag.

8.8