Dolly Parton – Those Were the Days

Country, VÖ: Oktober 2005
DOLLY PARTON wählt einige ihrer Lieblingslieder der 60er und 70er Jahre aus, holt sich die Hilfe einiger der ursprünglichen Interpreten und drückt jedem Titel ihren persönlichen Stempel auf.

Als Sängerin, Songwriterin, Performerin, Hitmacherin, Geschäftsfrau, Massenunterhalterin hat sich Dolly Parton längst als praktisch (und tugendhaft) unangreifbar erwiesen. Nachdem sie sich seit Jahrzehnten den Status einer amerikanischen Ikone gesichert hatte, erlebte sie in den letzten Jahren einen bemerkenswerten künstlerischen Aufschwung und nutzte ihren Bluegrass-Hintergrund um einige der besten Platten in ihrer Karriere zu erstellen. Als Songwriterin hat sie neue Höhen erreicht; Der Titelsong von „Little Sparrow“ aus dem Jahr 2001 ist genreübergreifend, wie Betty LaVette’s gefühlvolle Lesung auf ihrer neuen CD beweist.

Jetzt haben wir „That Were The Days“, das auf den ersten Blick wie eine einfache Nostalgiereise in die 1960er- und 70er-Jahre wirkt, gespickt mit Gastauftritten von Stars aus der Vergangenheit (Kris Kristofferson, Roger McGuinn, Judy Collins) und der Gegenwart (Norah Jones, Nickel Creek, Keith Urban). Aber schauen wir uns die Titelliste etwas genauer an: Bob Dylan’s „Blowin‘ In The Wind“, Pete Seeger’s „Where Have All The Flowers Gone“, John Lennon’s „Imagine“. Wenn man eine Platte mit prominenten Antikriegsliedern der Hippie-Generation zusammenstellen würde, wären alle drei dabei.

All das wirft eine sehr offensichtliche Frage auf: Steht Dolly Parton für etwas? Irgendetwas? Interessanterweise gab Parton Anfang September in einer Pressemitteilung über ihren Publizisten den folgenden Kommentar ab, kurz nachdem sie mit der Tournee zur Unterstützung von „Those Were The Days“ begonnen hatte und besonders starkes Publikumsecho für „Blowin‘ In The Wind“ und „Imagine“ erhielt: „Those songs now, it’s like they were written the day before yesterday. Whatever war it may be, someone is going off to die somewhere“, sagte sie und fügte dann hinzu: „I am not protesting anything. I am not political. But I am a patriot and peace-loving.“

All das macht „Those Were The Days“ wahrscheinlich viel zu schwer. Parton’s Hauptmotiv bestand hier eindeutig nicht darin, zu missionieren, sondern vielmehr in Erinnerungen zu schwelgen. Musikalisch liefert Parton wie immer alles ab. Die Litanei der Gaststars mag Teil des Marketingplans gewesen sein, aber im Vergleich zu Dolly, deren typische Ausstrahlung das Geschehen dominiert (und gelegentlich überwältigt), sind fast alle Mitwirkenden transparent. Der Stil ist weniger Bluegrass als vielmehr einfach akustisch und tendiert zuweilen eher zum Folk-Bereich, aus dem ein Großteil dieses Materials stammt.

Parton sieht immer noch gut aus, strahlt immer noch und erhält immer noch die Blicke aller gutaussehenden Männer. Parton ist eines der größten amerikanischen Idole. Ehrlich gesagt fällt es schwer, sich irgendjemanden außer den Ramones vorzustellen, der aus einem Projekt wie „Those Were the Days“ einen solchen Erfolg hätte machen können. Am Ende kann man kaum glauben, dass sie 60 Jahre alt ist. Wie Keith Urban kommentiert: „You give me chills, darlin‘.“

7.2