Dolly Parton – Heartbreaker

Classic AlbumsCountry, VÖ: Juli 1978
Auf dieser Platte, wie in all ihren besten Werken, gibt es eine Ökonomie der Form, eine geschickte Präzision der Bilder, ein Gespür für Zeit und Ort, die DOLLY PARTON als eine bedeutende Künstlerin auszeichnen.

Dolly Parton’s erste Annäherungsversuche an den Popmarkt funktionierten sowohl musikalisch als auch kommerziell. Mit „Heartbreaker“, dem Titelsong ihres nächsten Albums, hatte sie die Aufgabe, ihren Erfolg sowohl in den Country- als auch in den Pop-Charts aufrechtzuerhalten. Auf den ersten Blick ist die Platte vielversprechend, mit einer großartigen Gesangsdarbietung, die ihre oberen Stimmlagen hervorhebt. Doch die ersten Warnzeichen bekommen wir, wenn im Hintergrundgesang das Wort „Lovers“ erklingt, kurz bevor der Song in einen bemerkenswert langweiligen Refrain übergeht. Wenn eine Sängerin mit so viel Integrität wie Parton offenbar einen dramatischen Stilwechsel vornimmt, geht man im Allgemeinen davon aus, dass der Wechsel künstlerisch notwendig war, auch wenn die Ergebnisse nicht sehr ermutigend sind. 

Aber „Heartbreaker“ scheint, wie seine unmittelbaren Vorgänger, nicht einmal ein ehrlicher Misserfolg zu sein: Es ist schlichter, kommerzieller Schmalz, der direkt auf die Johnny Carson Show abzielt. Die Arrangements sind nicht so sauber wie bei gutem MOR – fett mit Hörnern, Streichern und Synthesizern, die Instrumente klingen wie die Longines Symphony auf Angel Dust – und Parton’s Stimme, die auf ihren Country-Platten süßlich unschuldig sein könnte, ist jetzt ohnehin nur noch zuckersüß – der hartnäckige, eigenwillige Individualismus, der einst die Süße bewegend und kraftvoll machte. Die überladenen, prall gefüllten Vertonungen stehen in völligem Widerspruch zu der klaren Einfachheit. 

Und so besteht der größte Fehler, den „Heartbreaker“ macht, darin, ihren süßen, beschwingten Gesang mit einer zuckersüßen Produktion zu umgeben. Der Gesamteffekt ist zu kitschig, da der Kontrast zwischen Gesang und Hintergrundmusik nicht ausreicht. Wenn der Refrain eine bessere Einleitung gehabt hätte, hätte vielleicht alles geklappt. Am Ende musste Dolly Opfer bringen, um den Erfolg zu erreichen, den sie sich ersehnte. „Heartbreaker“ ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Superstar.

6.9