Dirty Projectors – Lamp Lit Prose

Indie Rock, Juni 2018

Dave Longstreth war schon immer ein Freund herausfordernder Songstrukturen und kalter, abstrakter Texte. Zwar konzentrierte sich das letztjährige Album stark auf die Trennung zwischen ihm und seiner ehemaligen Partnerin und Bandkollegin Amber Coffman – serviert wurde der Schmerz mit langen, traurigen Songs voller störanfälliger Elektronik und R&B-beeinflussten Gesängen – so ist nun das neunte Dirty-Project-Album „Lamp Lit Prose“ wieder eine entschieden organischere Platte. Die neuen Songs sind lebhaft, witzig und ferngehalten von sich windenden Acht-Minuten-Odysseen.

Textlich geht es in „Lamp Lit Prose“ über Wiedergeburt und Wachstum, über das Brechen alter Muster und das Ausprobieren neuer. Die Texte sind voller schwindelerregender und manchmal herrlich alberner Liebeserklärungen: “Under the sun, there’s nothing new / But she keeps it one hundred through the shade,” “You fly up to me like a bluebird,” “When we met there were alien hosannas / Thrown from the heavens like Prince and Nirvana.” Ja dieses neunte Album fühlt sich wie eine Rückkehr zu dem maroden Songaufbau früher Dirty-Projectors-Platten an.

Man erinnere sich an „The Getty Address“ und hört währenddessen die gefälligen Arrangements in „Right Now“, die aus unmöglich kleinen, ineinander greifenden Teilen zusammengesetzt sind. Der Song ziert eine warme, stimmliche und närrische 12-saitige Akustikgitarre mit kleinen Explosionen aus Piano, Orgel, Hörnern und Syd’s hintergründlichen Gesängen. Überhaupt gibt es an allen Ecken Mundharmonikas, Mandolinen, Orgeln und sogar Holzbläser zu bewundern, die ihre bunte Präsenz inmitten von phantasievollen Gesangsharmonien und klappernden Percussions entfalten. Schön dabei: diese ekstatische Energie lässt selten bis zum Ende nach. Die sanfte Abschwächung von „(I Wanna) Feel It All“ bietet jedoch eine willkommene, wenn auch flüchtige Veränderung des Tempos.

„Lamp Lit Prose“ erweist sich auf jeden Fall als das bisher am besten zugänglichste Werk der Band und ist eine wunderbare Rückkehr zu einer alten Stärke, die noch immer solch ungezügelte schöpferische Energie besitzt, wie sie wohl letztlich nur bei den Dirty Projectors entstehen kann.

8.7