Death Cab for Cutie – Asphalt Meadows

Indie PopIndie Rock, September 2022
Im Guten wie im Schlechten haben DEATH CAB FOR CUTIE den heutigen Status einer Band wie R.E.M. in dem Sinne, dass sie scheinbar der Inbegriff einer bestimmten Art von alternativer „Indie“-Kultur sind.

Vier Jahre nach dem relativ herzlichen „Thank You for Today“ von 2018 veröffentlichen die Indie-Rocker Death Cab for Cutie ihr zehntes Album „Asphalt Meadows“. Für eine Gruppe, die so tief in ihrer Karriere steckt, klingt das Album überraschend dringlich und revitalisiert. Während die den Indie-Pionieren des pazifischen Nordwestens innewohnende Romantik immer noch in „Asphalt Meadows“ nachklingt, wird die Intimität des Albums oft durch eine düstere, bisher unerforschte Apokalyptik unterstrichen. Dies macht einen Teil der Anziehungskraft des Albums aus, seine stimmungsvollen Klanglandschaften und müden Texte spiegeln die desillusionierte Erschöpfung einer Bevölkerung mitten in der Pandemie wider. Alles in allem ist „Asphalt Meadows“ mit Leichtigkeit das stärkste Werk von Death Cab for Cutie seit über einem Jahrzehnt und möglicherweise die relevanteste Veröffentlichung der Gruppe, die Ängste der modernen Existenz, die in ihren 11 beispielhaften Tracks mitreißend destilliert wurden.

Der bittersüße Opener „I Don’t Know How I Survive“ bietet eine fröhliche Melodie, während Frontmann Ben Gibbard eine nächtliche Panikattacke noch einmal durchlebt: „Pacing across the room while she’s sleeping / Tears raining down your cheeks / You’re try to hold on hold .“ Dieser Geist des hymnischen Existentialismus setzt sich auf „Roman Candles“ fort, einer feurigen Ode an das “learning to let go”. Der Doppelsieg dieser beiden Stücke präsentiert die chaotische existentielle Panik des Lebens auf einem sterbenden Planeten durch explosive Gitarren und anhaltend muntere Percussion. Gibbard erscheint immer älter und weiser und reflektiert sehnsüchtig seine wechselnden Lebenserfahrungen in seinen Vierzigern und die sich verändernde Welt um ihn herum. 

„I Miss Strangers“ trauert um lebensveränderte Wege („These days I miss strangers more than I miss my friends“), „Pepper“ um den Verlust kostbarer Zeit („All that’s left is a version of events favourably framed for the sake of self-defence“), während „Here To Forever“ die verbleibende Zeit in Frage stellt („I can’t help but keep falling in love with bones and ashes“). Eine überraschende Abwechslung kommt mit dem beeindruckenden Spoken-Word-Song „Foxglove Through The Clearcut“, einem Song, der 1998 als Instrumentalstück seinen Anfang nahm. Während der Pandemie tauchte er wieder auf, nachdem der Frontmann alte Songs erneut aufgegriffen hatte, um zu sehen, was durch die heutige Linse zum Leben erweckt werden könnte. Es ist die ultimative Art, die Band zu ehren, die sie vor 25 Jahren waren, ohne zu versuchen, etwas zu sein, das sie nicht sind. Dies ist eine Band, die endlich einen Weg gefunden hat, sich weiterzuentwickeln, ohne das zu eliminieren, was sie ursprünglich so besonders gemacht hat.

8.0