Dawn Richard – Goldenheart

R&B, VÖ: Januar 2013
Keine Gaststars und keine auffälligen Produzenten, hauptsächlich DAWN RICHARD und Druski, die ihre Vision erschaffen. Es ist nicht perfekt, aber es ist näher, als man es von einer erwarten würde, die noch vor ein paar Jahren Mitglied einer C-Girlgroup war.

Bei Dawn Richard’s eigentlichem Debüt-Soloalbum steht viel auf dem Spiel, dem ersten einer geplanten Trilogie nach der letztjährigen Auftakt-EP „Armor On“. Richard stellt sich selbst als Figur im Stil von Jeanne d’Arc dar, die im Namen der Liebe einen heiligen Krieg führt, und „Goldenheart“ ist gespickt mit Kampfmotiven und religiösen Metaphern. An der Seite von Produktionspartner Druski stellt sich Richard als eine umkämpfte Königin dar, die „faced the beast with both hands“ und ihren Vater bittet, „to ask him for favor to take down this monster“. Auch wenn all die majestätischen Bilder – verpackt in Darstellungen von Bewachung, Kampf, Kapitulation, Eroberung usw. – lediglich als metaphorischer Code für alltägliche persönliche Konflikte verstanden werden, kann das Album in seiner künstlerischen Nachsicht und Intensität überwältigend sein. 

Richard und Druski sind jedoch außerordentlich konzentriert und verfügen über ein umfangreiches Arsenal hochwertiger Songs, die mit ununterbrochener Suite-ähnlicher Geschmeidigkeit übergehen. Es ist bemerkenswert, dass es ohne das Budget eines Major-Labels erstellt wurde, da es zutiefst reichhaltig und fortschrittlich klingt und über eine breite Palette glänzender Synthesizer- und Percussion-Sounds verfügt. Schon im Off ist die Breite ihres Ansatzes erkennbar. Innerhalb der ersten 45 Sekunden des Eröffnungsstücks „In The Hearts Tonight (Intro)“ haben sich Staccato-Streicher, Paukenwirbel, eine Soloflöte, zitternde Streicher und eine klingende Cembalolinie vereint, und das alles, bevor Richard eine Armee selbstbewusster Musiker um sich geschart hat. 

Diese Art maximalistischer Produktion könnte fast überwältigend sein, aber Richard und Druski wimmeln eindeutig von Ideen; Stattdessen handelt es sich hierbei um geschickte Kunstfertigkeit, die mit makellosem Können umgesetzt wird. Als nächstes kommt „Return Of A Queen“, ein hymnischer Pop-Song und möglicherweise der beste Moment des Albums. Im Intro von „Warfaire“ murmelt eine gedämpfte Richard: „I fight a battle every day, against discouragement and fear… I must forever be on guard.“ Wie „Last Train to Paris“ und „Armor On“ ist das Album größtenteils Pop-orientierter zeitgenössischer R&B, der von der gehauchten und pulsierenden Ballade von „Frequency“ bis zum stählernen, aber offenherzigen Elektro-Funk von „Ode to You“ reicht. 

Es ist weder eine falsche noch eine unangenehme Bewegung zu hören; Sogar die Anspielungen auf „In the Air Tonight“ von Phil Collins und 300 von Frank Miller wirken natürlich und perfekt platziert. Vollständig und richtig, „Goldenheart“ ist ein Triumph.

8.9