Crystal Castles – (III)

Electronic, Mai 2012

‚ Celesta ‚, ‚ Baptism ‚, ‚ Year Of Silence ‚, ‚ Suffocation ‚ Pap Smear ‚ und ‚ Trash Hologram ‚ auf der einen Seite, auf der Anderen stehen dieser unschlagbaren Supergruppe die neuen Songs ‚ Plague ‚, ‚ Wrath Of God ‚, Transgender ‚, ‚ Violent Youth ‚ und ‚ Telepath ‚ gegenüber. Ein ausichtsloser Kampf? Absolut. Warum also nicht einfach anschließen? Weil die Crystal Castles es so nicht wollten. „Wir wollten, dass das neue Album komplett anders klingt, als die Vörganger, eine völlig neue Erfahrung wird“, erzählte Kath dem NME im Interview und deshalb werden Sie sich auch die Frage gefallen müssen, warum die neue Platte dann als ‚ III ‚ betitelt wurde. Ein wenig inkonsequent auf den ersten Blick – doch nach mehreren Durchläufen ändert sich diese Sichtweise und man spürt eher den Drang, die Aussage von Kath korrigieren zu müssen. Denn eine wirkliche Veränderung findet bei den neuen Songs nicht statt – es fehlen vielmehr die herausstechenden Höhepunkte. Die dritte Platte ist eine engumschließende Masse geworden, sanfter in den Melodien, härter und erbarmungsloser in den Texten. „Es gab da eine Menge Themen, die sich irgendwie anfühlten, als würden sie unterdrückt werden…eine Menge Dinge die nicht uns persönlich passiert sind, aber eben doch Menschen, die wir kennen, die uns ungemein beeinflusst haben. Ich dachte, ich könnte den Glauben in die Menschlichkeit nicht noch mehr verlieren, als ich es sowieso schon getan habe, aber nachdem ich so manches im eigenen Freundeskreis miterleben musste, ….die Welt ist eine Antiutopie. Ich bin nur noch einen Schritt von der Selbstjustiz entfernt. Ich habe schon darüber nachgedacht.“ So die etwas erschreckenden Worte von Alice. Ein gutes hörbares Beispiel bietet an dieser Stelle der Track ‚ Insulin ‚, bei dem man es sich wohl so vorstellen muss: wir stehen vor einer baufälligen Villa und blicken in eines der großen dunklen Fenster hinein. Es prasselt der Regen vom pechschwarzen Himmel, es donnert und blitzt ganz fürchterlich von dort oben herab und jedes Mal wenn diese grellen Blitze in die Erde einschlagen, erleuchtet für einen Bruchteil einer Sekunde das vor uns liegende Fenster. Es offenbart das grausame Geschehen dahinter und was wir dann zu sehen bekommen – dass will lieber nicht beschrieben werden… Die Crystal Castles mussten sich verändern, sie wollten es so und irgendwie ist es auch zur gängigen Praxis geworden, sich nach dem zweiten Album einen stilistischen Wandel zu unterziehen. Meistens geht dieser ordentlich in die Hose. Er zeigt eben, wie gut eine Band wirklich ist. Das Duo aus Toronto hat den Test bestanden, auch weil man hier locker über manche Fehltritte hinwegsehen kann. Gemeint ist unter anderem ‚ Affection ‚ und das 90er Jahre Eurodance Stück ‚ Sad Eyes ‚ mit seinen ewig hauchenden Gesängen. Eine seichte Packung ohne jeglichen Nährwert.

5.1