Cosmo Jarvis – Think Bigger

PopRockSoul, VÖ: Juli 2012

So ist man es auf den ersten Blick von Cosmo Jarvis gewohnt: der bezaubernde Mix aus den verschiedensten Stilen, sei es eingängige Pop-Musik, hingerotzter Punk, Streichereinlagen, Folkabilly oder Alt-Country. Kein Wunder also, das sein drittes Studio-Album einfach als ‚ Think Bigger ‚ betitelt wurde. Der Name ist Programm – nicht nur bei seiner Musik – sondern auch abseits davon. Denn Cosmo Jarvis bewegt sich auch als Regisseur und Schauspieler auf den verschiedensten Baustellen und so ist ebenfalls seit kurzem der Debütfilm „The Naughty Room“ fertig, der kürzlich bei BBC4 seine Premiere feierte. So ist das eben mit den Menschen aus dem Vereinigten Königreich. Überall scheinen dort sprudelnde Kreativ-Quellen bereit zu stehen. Und dennoch gelten die Worte, „Er ist für mich ein sehr interessantes Beispiel einer neuen Person, eines neuen Künstlers“, ausschließlich für Cosmo Jarvis. Den Satz hat übrigens Brian Eno höchstpersönlich gesprochen.

Aber zurück: denn wir befinden uns bereits direkt zwischen dem brüllenden Folkabilly mit Namen ‚ Sunshine ‘ und bis dahin gab es einen stetigen musikalischen Verlauf, der wahrlich wandelbar gleich mehrere dreckige Mittelfinger den Mechanismen des Musikgeschäfts entgegenstreckte. ‚ Good Citizen ‚ greift dagegen mit verdammt eingängigen Gitarren-Riffs von hinten an die Gurgel. Ganz anders gestaltet sich der Aufbau zu ‚ Train Downtown ‚, dessen tragenden Pfeiler eine selbstbewusste Haltung, Arroganz und verführerischer Sex-Appeal sind. ‚ Tell Me Who To Be ‚ ist unleugbar eingängig und im Anschluss erfolgt eine geschickte Verwandlung in Banjo-untermauernde Folk-Musik. ‚ Sunshine ‚ wäre dann wieder der Ausgangspunkt und von dort aus überblickt sich erst erneut das gesamte Ausmaß seiner audiovisuellen Kunst. Zugleich wird es in der zweiten Albumhälfte ruhiger, akustischer und auch ein wenig schmalziger. Die perfekte Kombination aus diesen stilistischen Elementen findet Cosmo Jarvis dann im vorletzten Lied ‚ The Girl from My Village ‚.

Traumhaft schön mit fröhlichen Akkorden und leicht melancholischen Tönen. Das gleichnamige Titelstück endet schließlich mit unwiderstehlich schrägen Gesängen – doch leider ist es exakt diese Nummer, deren gezwungene Unvollständigkeit im Gedächtnis zurück bleiben wird. 

6.3