Corinne Bailey Rae – The Sea

R&BSoul, VÖ: Januar 2010
„He’s a real live wire/ He’s the best of his kind/ Wait till you see those eyes.“ CORINNE BAILEY RAE beschreibt ihren Ehemann, der an einer Methadon-Überdosis gestorben ist, als sie dieses Album schrieb, der Nachfolger zu ihrem erfolgreichen Debüt von 2006.

Corinne Bailey Rae schaffte mit ihrem selbstbetitelten Debüt 2006 den Durchbruch. Ihr zweites Werk „The Sea“ scheint weit von der leichten und luftigen Atmosphäre ihrer früheren Arbeiten entfernt zu sein. Bis heute musste die Sängerin eine große persönliche Tragödie in Form des Todes ihres Jazz-Saxophonisten-Ehemanns Jason verkraften. Während einige der Songs auf dem neuen Album vor ihrem schrecklichen Trauerfall entstanden sind, bringt „The Sea“ insgesamt eine viel größere Ernsthaftigkeit mit sich. Beim eröffnenden Track des Albums, „Are You Here“, deuten Texte wie „Wait Until You See These Eyes“ und „He’ll Kiss You Make You Feel Sixteen“ darauf hin, dass sie sich gerade erst verliebt hat, auch wenn Rae’s sanfte und ach so zarte Stimme eine neue Fülle aufweist, die darauf hindeutet, dass sich tief im Inneren etwas verändert hat. 

Daher lautet die Frage des Liedes „What’s it even mean?“ Die Frage könnte der Beginn einer Liebesaffäre oder einer Tragödie sein, aber das folgende „I’d Do It All Again“ ist noch kniffliger, da es sich um einen Post-Argument-Text handelt, der vor dem tragischen Verlust ihres Mannes geschrieben wurde (“You’re searching for something I know/Won’t make you happy”) bekommt eine neue Bedeutung. Was die Sache noch verwirrender macht, ist, dass die Sängerin das ganze Album hindurch im Präsens von ihrer Liebe spricht. „Paris Nights“ ist der einzige überzeugend optimistische Titel. Im Vergleich dazu klingt der kokette Funk von „Closer“ unpassend zum Rest des Albums, ein neckischer Anstoß, der dem fast unerträglich klagenden „Love’s on Its Way“ vorausgeht. 

Darin liegt vielleicht der größte Kritikpunkt: Es ist leicht, von diesem Album ermüdet zu werden. In dem Moment, in dem der Rhythmus bricht, wie bei „Closer“, ist es ein Kampf, sich wieder auf die Musik einzulassen, die so zutiefst persönlich, so überwältigend trostlos und doch irgendwie unvergesslich ist. Die Kraft ihrer Stimme durchdringt die Traurigkeit und unterstreicht im gesamten Album das Geschenk des Lebens. Was nach dem Zuhören übrig bleibt, ist die Wertschätzung der Fülle des Lebens und die Akzeptanz seiner unerwarteten Wendungen, Gefühle, die sicherlich bei vielen Anklang finden werden.

8.0