Corinne Bailey Rae – The Heart Speaks in Whispers

R&B, VÖ: Mai 2016
THE HEART SPEAKS IN WHISPERS sorgt für ein faszinierendes Hörerlebnis voller Katharsis und Inspiration. CORINNE BAILEY RAE erwähnt ihre vergangenen Kämpfe nicht direkt, aber ihr Licht durchdringt dieses Album und hinterlässt ein leuchtendes Beispiel für Stärke und Ausdauer.

Wer über die Jahre mit Corinne Bailey Rae Schritt gehalten hat, dessen Gedanken wandern wahrscheinlich an einen Ort – an die staubige Straße, auf der sie im Video zu „Put Your Records On“ mit ein paar Freunden lässig durch die Landschaft radelte. Es war eine wunderschöne Szene, ein starkes Zeichen von Zusammengehörigkeit und Weiblichkeit, vor einem sonnenbeschienenen Hintergrund. Es war die zweite Single von Rae’s Debütalbum aus dem Jahr 2006 und eines der ersten Male, dass wir die Sängerin/Gitarristin sahen, deren Mischung aus Soulmusik gleichermaßen schwerelos und fesselnd ist. Rae wurde schnell ein Star.

Doch im Jahr 2008 starb Rae’s Ehemann Jason nach einer Überdosis Alkohol und Methadon. Es führte zu einer kreativen Pause und einem Moment intensiver Reflexion. „For a huge period, I didn’t want to do anything“, sagte Rae 2010 gegenüber The Independent. „It was like a barrenness which I’d never experienced; this sense of time just stretching and stretching and not having anything to put into it all.“ Infolgedessen fühlte sich Rae’s Nachfolgealbum „The Sea“ mürrisch an, voller kantiger Klänge, die Verlust und Verzweiflung zum Ausdruck brachten. Das war vor sechs Jahren.

Nach einer weiteren Pause von der Musik ist Rae mit einem neuen Album und einem üppigen neuen Sound zurück. Die Atmosphäre ist weitaus farbenfroher als alles, was sie bisher gemacht hat. Die Zeit hat geheilt, und dieser Nachfolger dokumentiert den Sturm, der hereinbricht und das Licht in Bailey Rae’s Leben und Texten erwacht: „Like seeing the sun again, after years of pouring rain“, singt sie auf dem herausragenden Titel „Caramel“. Bailey Rae’s Vorliebe für den klassischen Soul kann Segen und Fluch zugleich sein. „Do You Ever Think of Me“ orientiert sich mit seinen wechselnden Akkorden und süßen Falsett-Spitzen ein wenig zu sehr an Curtis Mayfield’s „The Makings of You“, und andere Titel tendieren dazu, so sanft dahinzutreiben, dass sie an einem vorbeigehen können. 

Aber auf „Caramel“ erhält ihr gefühlvoller Gesang Raum, vor einer wogenden Popkulisse zu erblühen. Und da Künstler wie Frank Ocean und Kendrick Lamar den jazzigen Psych-Soul der 70er Jahre wieder aufleben lassen, klingt der entspannte Ansatz, den Bailey Rae bei Titeln wie „Been to the Moon“ verfolgt, perfekt im Einklang mit der Zeit. Trotz aller Ähnlichkeiten, die zu hören sind, ist alles frisch und wird auf eine Weise vermittelt, die niemand außer Bailey Rae – einer bemerkenswerten und flexiblen Künstlerin mit einigen sehr realen Lebenserfahrungen – annähernd erreichen kann.

7.5