Concrete Knives – Be Your Own King

Die Tatsache, dass ein Album mit kitschigen Gesängen, die auf galoppierende Beats gesetzt sind, nicht nur schmackhaft, sondern uns auch geradezu herzlichst umarmen, ist Grund genug, BE YOUR OWN KING aufs Allerhöchste zu schätzen.

Nach 34 Minuten Spielzeit ist das Debütalbum „Be Your Own King“ der Concrete Knives beendet. Eine Band mit jugendlichem Überschwang, ausgeprägten künstlerischen Fähigkeiten und dem unbeugsamen Talent, mit schwingenden Gitarren, aufwendigen Melodien, stampfenden Rhythmen und euphorisch kollektiven Gesängen eine schäumende Süßspeise zu zaubern, die aus dem Stand heraus süchtig machen wird. Nehmen wir als Beispiel das zweite Stück „Happy Mondays“ (welch frohlockende Vorstellung!) und dessen wundervoll optimistischen Klänge. Ein federnder Rhythmus und eine strahlende Ausgelassenheit zwischen kraftvoller Energie und pulsierenden Basslinien. Nicht minder exzellent ausgefallen ist natürlich auch das eröffnende Stück „Bornhomer“, welches tatschlich noch eine Spur dringlicher durch die Gehörgänge rauscht. Klar – die Spuren eines Debütalbums kleben an allen Ecken und Enden dieser ersten Minuten.

Aber das ist letztlich auch das schöne an solchen Platten. Mitreißende Zügellosigkeit in Perfektion, die im Fall von „Bornhomer“ besonders im letzten Drittel des Songs ungehemmt an Fahrt auf nimmt. Und man möchte aus dem Schwärmen gar nicht mehr aussteigen, denn bereits mit „Brand New Start“ zeigen die Concrete Knives das erste Mal in voller Deutlichkeit, wie faszinierend es klingen kann, wenn die mehrstimmigen Gesänge (weiblich/männlich) zum tanzen und springen einladen. Es mögen einem dabei Arcade Fire einfallen, doch das Quintett um Sängerin Morgane COLAS aus Frankreich lassen keine filmischen Kompositionen entstehen, sondern stürzen schlicht in eine der besten House Parties der letzten Jahre. Um hierbei eine Schwachstelle zu finden, muss wahrlich lange gesucht werden. ‚ Wallpaper ‚ fesselt trotz geringsten Verzierungen, „Roller Boogie“ ist ein (fast) instrumentales, luftig gefülltes Synthie-Stück, während „Greyhound Racing“ und „Wild Gun Man“ mit unverfälschter Leidenschaft und lauten Stimmen durch die Strophen poltern.

Ein Song wurde ausgelassen – bezeichnen wir diesen als kleine Schwachstelle eines ansonsten hochgradig überzeugenden Debüts. Aber es will ja noch gar nicht Schluss sein, denn die Concrete Knives platzieren den Höhepunkt fast ans Ende Ihrer Platte: „Truth“ ist das unübertroffene Sahnestück, ein schleichendes vier Minuten Spektakel, bis ins kleinste Detail perfektioniert und fein durch die ohnmächtig schönen Gitarren-Klängen ganiert. „Why don’t you tell me the truth?”, fragen die Concrete Knives in Ihrem paranoiden Refrain und plötzlich verspürt man als Hörer eine gewisse Ernsthaftigkeit durchschimmern… Schlussendlich bleibt aber „Be Your Own King“ eine Platte für die vergnüglichen Minuten im Leben. Sie ist lebhaft, üppig und über alle Maßen einprägsam. „Our songs are pretty independent from each other, and from the moment they’re born – generally from the mind of Nicolas – they hold a mystery that we need to take the time to solve,” so erklärt es Sängerin Morgane Colas. “I really believe that the songs are born as mysterious and inaccessible, and that our job is to give them a sense that’s faithful to their essence.“ Dieses Debüt ist eine intelligente, kreative und mitreißende musikalische Aussage voller ansteckender Energien.

10.0