Complete Mountain Almanac – Complete Mountain Almanac

Folk, VÖ: Februar 2023
Das Projekt COMPLETE MOUNTAIN ALMANAC hat seine Wurzeln in der Partnerschaft von Rebekka Karijord und Jessica Dessner, die seit 15 Jahren enge Freundinnen sind, seit sie sich in Brooklyn kennengelernt haben. Ihr selbstbetiteltes Album ist im Wesentlichen eine Reaktion auf den Klimawandel, wobei jedes der 12 Lieder einen Monat im Jahr darstellt.

Die Jahreszeiten üben seit Jahrtausenden eine Faszination auf Komponisten und Künstlerinnen aus. Die klassische Musik kann mit Beispielen von Vivaldi, Piazzolla und in geringerem Maße Tschaikowsky einen beeindruckenden Kanon vorweisen, der Klassik-Hörerinnen und Hörer fesselt – während Folk- und Popmusik häufig Freude an den wechselnden meteorologischen Umschwüngen haben. Die Inspiration hinter der Arbeit von Complete Mountain Almanac hat jedoch ernstere Auswirkungen. Das Projekt hat seine Wurzeln in der Partnerschaft von Rebekka Karijord und Jessica Dessner, die seit 15 Jahren enge Freundinnen sind. Ihr selbstbetiteltes Album ist im Wesentlichen eine Reaktion auf den Klimawandel, wobei jede der 12 „movements“ ihre Führung von einem Monat im Jahr übernimmt. Während des Aufnahmeprozesses wurde bei Dessner Brustkrebs diagnostiziert. Von ihrem Partner ermutigt, nutzte sie das Projekt als Ventil für die gegensätzlichen Gefühle, die ein so lebensveränderndes Ereignis mit sich bringt.

Einfach ausgedrückt ist „Complete Mountain Almanac“ ein Triumph musikalischer Schönheit. Klanglich befindet sich das Album auf halbem Weg zwischen dem verträumten Gefühl von Jenny Hval’s „Classic Objects“ und der luftigeren Seite von Fleet Foxes‘ „Crack-Up“, mit einer starken Infusion klassischer Einflüsse. Es ist nicht die energiereichste Angelegenheit, erweist sich aber als weniger schläfrige Anstrengung, als aufgrund dieser Vergleiche zu erwarten wäre. Es ist ein Album, dessen Visitenkarte Wärme und Gefühl sind, das sich aber auch gerade distanziert genug anfühlt, um ein mutiges Statement abzugeben. Einzelne Tracks haben hier alle ihre charakteristischen Merkmale, aber zusammen fließen sie reibungslos als zusammenhängendes Ganzes. Aufgrund dieser Elemente hat das Album eine raffinierte Schönheit, eine sanfte, aber markante Intensität, die sich uns sofort bemerkbar macht. 

Ein Hauptgrund dafür ist die Stimme von Karijord. In einem Take aufgenommen, singt sie mit natürlicher Schönheit, reagiert mit Gelassenheit und tief empfundenen Emotionen auf die Texte, während sie mühelos über die Produktion hinausragt, die sich von einer einzelnen Gitarrenlinie bis zur vollen Kraft des Malmo Symphony Orchestra erstreckt. Textlich verweben sich die Songs mit der Natur und erzählen eine parallele Geschichte von Jessica’s Reise durch die Diagnose, Behandlung und Genesung von Krebs. Zuweilen ist es auffallend, wie sich die pastorale Musik mit der Verletzlichkeit, dem Mut und der stillen Ruhe ihrer Poesie verbindet. Ähnlich wie die natürliche Welt, die es beschreibt, ist „Complete Mountain Almanac“ eine tief nuancierte Aufzeichnung von Schichten und unsichtbaren Details, die sich erst mit der Zeit offenbaren.

8.3