Cleo Sol – Mother

R&BSoul, VÖ: August 2021
Stevie Wonder ist hier ein Magnet, aber CLEO SOL singt mit einer lockeren, zarten Intimität, die bei MOTHER das Gefühl haben kann, dass man privaten Gesprächen lauscht. Es ist ein ruhigeres, weiträumigeres und nach innen gerichteteres Werk als Rose in the Dark.

Cleo Sol ist vor allem als eine der Stimmen der mysteriösen Avant-Soul-Band SAULT bekannt und liefert ihr zweites Soloalbum ohne viel Kontext ab. Drei Figuren zieren das Cover: Sol, ein Säugling und das Foto einer jungen Frau an der Wand dahinter. Wir müssen davon ausgehen, dass die drei miteinander verwandt sind und dass es in „Mother“, der Fortsetzung des 2020 erschienenen Albums „Rose in the Dark“, um diese Beziehungen geht. Cleopatra Zvezdana Nikolic nannte sich „Sol“ als Hommage an die halbspanische Abstammung ihrer Mutter. Man kann mit Recht sagen, dass die Qualitäten, die Sol als Mutter erlebte, alle in dem von ihr produzierten Album vorhanden sind. 

Die Musik selbst unterscheidet sich deutlich von den beiden SAULT-Alben, die sie mit Inflo erstellt hat. Während SAULT-Alben (um eine harsche Verallgemeinerung zu machen) von perkussiver Kraft angetrieben werden und schrill, direkt und lyrisch konfrontativ sind, bestehen die Melodien hier aus luxuriösen Keyboards wie Fender Rhodes, die das Geschehen in einen Kokon der Glückseligkeit hüllen. Sol stellt sich Mutterschaft als etwas Zyklisches vor: Lektionen werden gelehrt und dann wieder verlernt. „Forgive me, I’m not what you want me to be / But I was raised under a roof of unfinished dreams“, singt sie auf „Build Me Up“ und scheint damit mit ihrer eigenen Mutter zu sprechen. 

Während „Sunshine“ mit seinem sanften Glanz und dem Sinn für wesentliche Erneuerung seinen Titel verdient und „Spirit“ ein großes Finale darstellt, liegt der emotionale Höhepunkt des Albums woanders. „23“ besteht aus süßem Soul, der mit einer melodiösen Basslinie, Harfe und anderen Streichern in voller Wirkung glänzt. Die Musik erleichtert Cleo’s schwieriges Gespräch mit ihrer Mutter, in dem die Sängerin ihren Schmerz, ihre Frustration und ihr Mitgefühl ohne Zweideutigkeit zum Ausdruck bringt.

7.5