Claud – Supermodels

Indie Pop, VÖ: Juli 2023
CLAUD MINTZ macht die Art von Pop, die gut zu einem Late-Night-Snack passt.

Der Schlafzimmer-Pop ist in den letzten Jahren explodiert; Eine seiner größten Stärken ist seine Zugänglichkeit, sowohl für DIY Künstlerinnen, die nur mit Laptops bewaffnet sind, als auch für ihre begeisterten Zuhörerinnen, die einen Blick in ihre Innenwelt werfen können. Claud, eine bekennende Liebesanalytikerin, präsentiert mit ihrem zweiten Album „Supermodels“ eine noch verlockendere Aussicht, bei der sie von der Aufnahme in einem Schlafzimmer in ein größeres Aufnahmestudio in New York wechselt. Das zweite Album von Claude, „Supermodels“, fühlt sich an wie eine Coming-of-Age-Platte oder vielleicht wie der Soundtrack zu unserem nächsten Lieblings-Indie-Film. 

Der Sound von Claud, die beim Label von Phoebe Bridgers, Saddest Factory Records, unter Vertrag steht, ist oft ätherisch und manchmal ahnungsvoller, wie im pulsierenden Bass-Intro von „Dirt“ zu hören ist. Obwohl sie offensichtlich zeitgenössisch ist, haben einige Songs eine nostalgische Note („It’s Not About You“; „Wet“). Neben Claud’s verträumtem Gesang sind sie voller Synthesizer – ein ähnlicher Sound wie die Künstlerkolleginnen Tegan and Sara, einem Act, für den Claud monatlich über Twitter ihre Liebe erklärt. Aber ist es Zufall, dass „Supermodels“ zwar auf einer neu erworbenen Akustikgitarre geschrieben wurde, die Eröffnungsakkorde desselben Liedes jedoch eine unheimliche Ähnlichkeit mit „Wonderwall“ aufweisen? 

Das Album ist gespickt mit Killer-Refrains – beim eröffnenden Song „Crumbs“ neben einem rein amerikanischen UKW-Radiosound der 1970er Jahre, beim „Climbing Trees“ erklingt es fast heimlich. Es braucht Selbstvertrauen, um aus dem, was ein großer Pop-Moment werden könnte, in der Produktion etwas so Unauffälliges zu machen. Es gibt auch etwas Epos – der Schlusstrack „Screwdriver“ kanalisiert die Art epischer Melancholie, die The National so populär machte. Das Beste von allem ist jedoch der 90er-Alt-Rock von „Glass Wall“, wo windige, unbeholfene Gitarren im Weezer-Stil auf etwas Grunge-artiges und einen weiteren dieser riesigen Refrains treffen. „Supermodels“ dient als Soundtrack zu Claud’s Leben, zeigt aber auch die Grenzen der Schlafzimmer-Pop-Ästhetik auf.

7.6