claire rousay – a softer focus

ElectronicExperimental, VÖ: April 2021
A SOFTER FOCUS ist ein spannender nächster Schritt sowohl für die Kompositionspraxis von CLAIRE ROUSAY als auch für Dani Toral’s visuelle Arbeit, die zeigt, wie sich beide Künstlerinnen in neue Gebiete wagen und auf der anderen Seite mit gestärkter Freundschaft und wirkungsvoller Schöpfung herauskommen.

Als er mit Claire Rousay an einer Split-Veröffentlichung arbeitete, nannte ihr langjähriger Kollaborateur Andrew Weathers sie eine „Deep Zoner“. Gleichzeitig bezeichnete sich Rousay selbst als das „böse Mädchen des Emo-Ambient“. Ihr Lebenslauf für 2020 zeigt sie bei fast einem halben Dutzend Labels: Schlagzeugspiel, das eher Synthesia-Soundpacks ähnelte, eine Aufnahme mit der Ankündigung, die Musikbranche zu verlassen, und ASMR-Pop, in dessen Titel Tik-Tok erwähnt wird. Zu erwähnen ist zudem ihre Bandcamp-Seite, auf der sie weiterhin die Gewässer der Pop-Autotune-Technik und der Verletzlichkeit von Langform-Stücken testet. 

Rousay’s neuestes Werk ist ein subtiles neues Kapitel. Alle üblichen Elemente ihrer früheren Aufnahmen sind noch da, wenn auch mit mehr Weite; Rousay’s Partnerschaft mit einer Handvoll Musiker ist dabei ein Schlüsselelement und verleiht ihren Liedern ihre eigenen, dämmrigen Schatten. Die Kunst, die von Dani Toral geleitet wird, passt zu Rousay auf eine Weise, die die einladenden, aber erweiterten Zonen erahnen lässt, die sie geschaffen hat. Der erste Track „Preston Ave“ enthält gleitende und klickende Geräusche von etwas, das wie eine Schreibmaschine oder eine Registrierkasse aussieht, und sanfte Berührungen des Mikrofons, die ein weiches, gleichmütiges Gefühl erzeugen.

Eine kurze, spannungsgeladene Pause in „Peak Chroma“ weicht trillernden, in der Tonhöhe verschobenen Gesängen, während Rousay über Verlust und die Folgen einer Beziehung singt. Rousay fängt einfach Aspekte der Hörkultur des 21. Jahrhunderts ein, die andere als Makel betrachten, und stellt in den Vordergrund, was sonst verworfen werden könnte. Bei „Diluted Dreams“ flimmern kräftige Winde über etwas, das wie ein Ohrstöpsel-Mikrofon klingt, und erzeugen ein freundliches, borstiges, leises Geräusch, das für jeden, der an einem besonders kühlen Nachmittag im Freien telefoniert hat, eine unmittelbare emotionale Wirkung hervorruft. 

Andere Klänge sind schwieriger zuzuordnen und lassen in den Lücken zwischen klarer definierten Aufnahmen Raum für Spekulationen. „a softer focus“ ist ein spannender nächster Schritt sowohl für Rousay’s Kompositionspraxis als auch für Toral’s visuelle Arbeit, die zeigt, wie sich beide Künstlerinnen in neue Gebiete wagen und auf der anderen Seite mit gestärkter Freundschaft und wirkungsvoller Schöpfung herauskommen. Dass wir sie auf ihrer Reise begleiten dürfen, ist ein Beweis für ihr Vertrauen, ihre Verspieltheit und ihre Aufrichtigkeit.

7.7