Brandi Carlile – Bear Creek

AmericanaCountry, VÖ: Juni 2012
BRANDI CARLILE hat sich zu einer reifen Künstlerin entwickelt, die ihre Talente vollständig unter Kontrolle und keine Angst davor hat, etwas Neues auszuprobieren und dabei der Tradition treu zu bleiben.

Als junge Künstlerin wurde Brandi Carlile mit jedem neuen Album spürbar reifer und selbstbewusster. Mit 30 hat sie ihre Nische gefunden. Ihr neues Album „Bear Creek“ fängt vor allem ihre akustische Seite ein. Produzentin Trina Shoemaker versteht Carlile’s Stärken voll und ganz, und ab dem Eröffnungsgalopp von „Hard Way Home“ lässt der Sound ihrem Gesang einen angenehmen Raum, um sich zu entfalten. Der leichte Rockabilly-Einschlag von „Raise Hell“ bleibt als bescheidenes Summen im Hintergrund, wobei selbst die E-Gitarren, die das Solo übernehmen, im Hintergrund gehalten werden, um Carlile’s heiseren Blues-Gesang besser hervorzuheben. Elemente aus Folk, Bluegrass, Country, Blues, Pop und sogar Gospel kommen teilweise zum Vorschein, wobei das Ergebnis immer eine Kombination aus mehreren Elementen ist, die für etwas Neues sorgen.

Es ist ein Wunder, wie es einer so jungen Stimme gelungen ist, jeder Zeile so viel Seele und Tiefe zu verleihen. Nehmen wir zum Beispiel das von Fleetwood Mac inspirierte Lied „Save Part of Yourself“, in dem sie singt: „I remember you and me / Lost and young dumb and free / Unaware of years to come / Just a whisper in the dark / On the pavement in the park / You taught me how to love someone / Save part of yourself for me / Won’t you save part of yourself for me? Mit einem zitternden Tonfall in ihrer Stimme und anschwellenden Orchesterstreichern ist die Pause in der Melodie herzzerreißend, gerade lang genug, um einen Schwall Händeklatschen und „Oooos“ aus dem Refrain zu ermöglichen. Carlile’s Stimme übertrifft nur ihr scharfsinniges Songwriting, und auf ihrer neuesten Platte sind ihre kraftvollen Stimmbänder in Topform – reifer und voller Erfahrung und Kummer. 

Das ist die Art von Seele, die Taylor Swift niemals haben wird. Carlile kann ihre Mainstream-Country-Kolleginnen mit einer einfachen Brise durch Zeilen wie „Whatever you see, that wasn’t me“ aus „That Wasn’t Me“ und „The hill I’m walkin’ up is gettin’ good and steep / But I’m still looking for a promise even I can’t keep“ aus „A Promise to Keep“ wegfegen. Brandi Carlile’s größtes Geschenk ist, dass sie eine hervorragende Sängerin ist. Sie kann hart und mit Leichtigkeit zärtlich sein. Ihr Gesang ist nie erzwungen. Nach vier Studioalben hat Carlile zwar kein Meisterwerk vorzuweisen. Aber es ist unheimlich erfreulich zu hören, wie sie es versucht.

8.0