Bloc Party – Alpha Games

ALPHA GAMES von BLOC PARTY glänzt, wenn Sänger Kele Okereke seine hohlen Charakterstudien für echte Verwundbarkeit fallen lässt und die Musik an die weniger ballistische Seite von Silent Alarm anlehnt.

Nach Abschluss der Tournee im Jahr 2016 verbrachten Bloc Party einen Großteil der Jahre 2018 und 2019 damit, ihr Debütalbum „Silent Alarm“ in seiner Gesamtheit aufzuführen. Die Wiederverbindung mit ihren frühen Tagen löste etwas aus, das sie auf „Alpha Games“ festhalten – oder wiedererlangen. Das Timing von Bloc Party hätte nicht besser sein können, wenn man bedenkt, dass die Nostalgie für die frühen 2000er sowie ein Post-Punk-Revival derzeit eine ungeahnte Renaissance feiert. Häufig klingt „Alpha Games“ wie das Album, das sie nach „Silent Alarm“ hätten veröffentlichen können, wenn sie nicht so entschlossen gewesen wären, den Zwängen der sogenannten kantigen Szene zu entkommen, mit der sie ursprünglich in Verbindung gebracht wurden. „Alpha Games“ ist zugleich das erste Album, auf dem die neue Besetzung (Justin Harris und Louise Bartle) zu hören ist – und der erste Eindruck ist gut. Der Bandsound ist revitalisiert, mit einer Energie und Aggression, die man seit den Anfängen von „Silent Alarm“ nicht mehr wirklich gesehen hat. Insbesondere Bartle ist eine hervorragende Ergänzung, da mehrere Tracks von ihrem dynamischen Schlagzeug angetrieben werden.

Doch so überzeugend das eingängige Gitarrenspiel und das bösartig aufwartende Schlagzeug auch sein mögen, der ausgedehnte Tiefpunkt des Albums erstreckt sich in den Texten. Anstatt einfach nur er selbst zu sein, verkörpert Okereke ein Roulette aus fiktiven Charakteren, deren Toxizität an ihm wie ein goldener Umhang hängt, der mit Rizin gefüttert ist. Diese potenziellen Satireversuche landen als ungeschickte Karikaturen und stehen in krassem Kontrast zu dem Bestreben von Bloc Party, sein ursprüngliches Selbst wiederzubeleben. „Alpha Games“ ist der Sound einer Band, die versucht, ihre frühere Flamme wieder zu entfachen, während sie sich gleichzeitig so tief in unbekanntes Terrain gräbt, dass sie nicht einmal das Feuerzeug erreichen kann. Die Art und Weise, wie Okereke seine Charaktere beschreibt und seine Szenen malt, ist frustrierend. Auf dem pulsierenden, düsteren „Rough Justice“ schildert er eine surreale, weit hergeholte Art des organisierten Verbrechens. 

“The things you do for blow and a little guest list have consequences,” spottet er über Gott-weiß-wen und klingt wie dieser neue Freund, den man während einer drogengetriebenen Nacht im Club trifft, nur um im nüchternen Zustand zu erkennen, dass es lediglich der Müllmann ist. Seine Herablassung höhlt seine vorgebliche Sendung von heißer Männlichkeit aus. Das ist jedoch nichts im Vergleich zu „Callum Is a Snake“, das beleidigend über einen “snide little fuck” erzählt und schließlich auf den Erzähler als das eigentliche Problem hinweist. „I don’t trust him / His eyes are too close together“, singt Okereke; Es könnte eine lustige Parodie sein, wenn es einen Kontext oder eine Nuance hätte, aber sein schnelles Tempo lässt vermuten, dass diese Worte nur die frei fließenden schrecklichen Gedanken einer schrecklichen Person sind. So uneinheitlich das Album diesbezüglich auch sein mag, es ist nie eine einfache Wiederholung der glorreichen Tage von Bloc Party. Die straffe Produktion von Adam Greenspan und Nick Launay verleiht „Alpha Games“ einen schlankere Figur als „Silent Alarm“.

Und während die Momente der Schönheit, die die Ausbrüche der Band ausgleichen, seltener sind, sind sie umso süßer, wenn sie erscheinen. „Of Things Yet to Come“ ist eine klassische Bloc-Party-Ballade voller klingender Gitarren und seufzender Gesänge, und „If We Get Caught“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie ihre Songs über das Verlieben wie der Beginn eines lebensverändernden Abenteuers klingen. Es stimmt, dass die Qualität in der zweiten Hälfte des Albums abnimmt, wobei „In Situ“ und „If We Get Caught“ wie blasse Schatten vergangener Herrlichkeiten klingen, aber „The Peace Offering“ bringt die Dinge zu einem unerwartet zerbrechlichen Abschluss – eine düstere Downtempo-Nummer wobei Okereke’s gesprochener Gesang widerspiegelt, dass “the system always wins”. „Alpha Games“ sollte ihrer etablierten Fangemeinde gefallen, aber Bloc Party klingen immer noch seltsam ambivalent, gefangen zwischen dem viszeralen Nervenkitzel schlanker, moderner Gitarrenmusik und ihren Zweifeln an ihrer Form und Funktion.

7.0