Bill Ryder-Jones – lechyd Da

Folk, VÖ: Januar 2024
Wunderschön produziert und reichhaltig – LECHYD DA ist das bisher ehrgeizigstes Album von BILL RYDER-JONES. Manchmal freudig und großartig, manchmal intim und herzzerreißend.

Als Bill Ryder-Jones mit der Arbeit an seinem sechsten Album „Iechyd Da“ begann, setzte er sich zwei Ziele. Das erste bestand darin, es wie die letzten drei Jahre seines Lebens klingen zu lassen, eine Art akustische Momentaufnahme, in der persönliche Nöte – Herzschmerz, seine psychischen Probleme, finanzielle Schwierigkeiten – in Kombination mit dem imaginären Klang seines Zuhauses in West Kirby eine hoffnungsvollere Note erhielten: die langen Spaziergänge, die er am Meer unternahm; der kurze, regelmäßige Spaziergang durch den Park von seinem Haus zu seinem eigenen Atelier.

Das zweite – das wichtigste – bestand darin, ein Album zu schreiben, das seiner spärlichen Platte „A Bad Wind Blows In My Heart“ aus dem Jahr 2013 mindestens ebenbürtig war, ein Unterfangen, das, wie er zugibt, zu einer „Obsession“ wurde. „lechyd Da“ ist ein walisischer Toast auf „gute Gesundheit“ und das Album ist teilweise nach seinen familiären Wurzeln im Land benannt. Seine Lieder spiegeln Anspielungen auf seine früheren Lieder wider, seine akustische Ästhetik ist auf „wehmütig“ eingestellt und in den Texten entblößt er alles mit scheinbarer Furchtlosigkeit.

In diesem letzten Punkt liegt eine gewisse Ironie, wenn man bedenkt, dass Titel wie „Thankfully for Anthony“ und „It’s Today Again“ seine beängstigenden psychischen Probleme wiedergeben. Ersteres jedoch – eine Fortsetzung seines Titels „Anthony & Owen“ aus dem Jahr 2013 – zelebriert die Freundlichkeit seiner Titelfigur und Letzteres zeigt einen Kinderchor, dessen offensichtliche Lebenslust ansteckend ist. Das herausragende „If Tomorrow Starts Without Me“ bringt den angeschlagenen Optimismus im Herzen von „Iechyd Da“ auf den Punkt. 

Unterlegt von gedämpften Streichern und einem warmen, rollenden Orgel-Refrain ist es zugleich melancholisch und erhebend; eine windgepeitschte Version von Belle and Sebastian’s „The Boy with the Arab Strap“. „I Know That It’s Like This (Baby)“ verbindet einen überaus entspannten Velvet Underground-Groove mit Themen der Häuslichkeit, während das dramatische „This Can’t Go On“ mit üppigen Streichern und wackeligen Synthesizern zu atemberaubender Großartigkeit aufsteigt. 

Ryder-Jones hat sich nie so sehr um kommerzielle Dinge gekümmert, aber er hätte dieses Album nicht besser veröffentlichen können. Zu Beginn eines möglicherweise erneut turbulenten Jahres ist es eine ermutigende Erinnerung daran, dass in der Dunkelheit Macht stecken kann.

8.9